Medien, offtopic

Nein zu No Billag: 72 Prozent der Schweizer stimmen für die Rundfunkgebühr

…und damit für die gesicherte Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Gestern war für mich ein guter Tag. Wenn ich auch in Deutschland lebe und nicht betroffen bin, die Signalwirkung bei einem Ja wäre wohl beängstigend ausgefallen.

Ich wüsste nicht, wie mein Medienkonsum ohne Deutschlandfunk Kultur, den NDR, arte oder 3Sat aussähe. Allein mein bewusster Radiokonsum umfasst 10 Stunden pro Woche. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie ein so vielfältiges Programm, wie wir es in Deutschland zur Zeit nutzen dürfen, von gewinnorientiert arbeitenden Unternehmen gestaltet werden könnte. Dazu genügt ein Blick auf den IST-Zustand: Gibt es in Deutschland ein privates Kulturradio mit Niveau? Mit Hörspielen, Features und echten Musikredakteuren*? Gibt es überhaupt einen privaten Fernsehsender, bei dessen Konsum eine Aufmerksamkeitsspanne von 5 Minuten nicht ausreichend ist?

Am schlimmsten finde ich dieses neoliberale Gefasel vom Markt, der für alles sorgt. Der für ein Angebot sorgen wird, das wir eigentlich schon hatten und dann kaputtgemacht haben (wie z.B. öffentliche Krankenhäuser). Was tritt denn an die Stelle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wenn wir den kaputtmachen? Aus „Andruck“ wird ein Youtube-Kanal zum politischen Buch? „Sein und Streit“ gibt ein werbefinanziertes Gute-Nacht-Magazin bei Vox? „Interpretationen (light)“, präsentiert von Klassik Radio und Amazon?Das glaubt doch niemand, oder? Das wird verschwinden – die kleinen Clubs und Buchläden als Austragungsorte gibt es dann auch nicht mehr. Im medialen Raubtierkapitalismus zwischen Amazon, Alphabet, Fox und RTL wird es keine Bedeutung mehr haben. Dann ist es genau da, wo der Markt es haben will.

Da bin ich dagegen.

https://www.tagesspiegel.de/medien/nein-zu-no-billag-72-prozent-der-schweizer-fuer-rundfunkgebuehr/21029924.html

*) Den fleißigen Machern offener Radio- und Fernsehformate möchte ich nicht unrecht tun. Ich bin ein Fan von Radio ZuSa und Tide. Sie begeistern für Radio und Fernsehen, sie bilden aus, sie sind kreativ und für ein lokales Publikum wie auch für kleine Sparten interessante Ergänzungen. Den Gestaltungsspielraum, die Finanzkraft beim Einkauf von Rechten und das journalistische Niveau der gebührenfinanzierten bundesweiten Sender können sie einfach nicht erreichen.

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