Elektronik, HiFi

AC iPurifier

Ich hab da noch was offen: Einen Bericht über den AC iPurifier von ifi.

Das kleine unscheinbare „Gerät“ ähnelt eher einem massiven Schuko-Stecker, ist streng zylinderförmig und in glänzend weißen Kunststoff gewandet. Alles wirkt überaus solide, und in Anbetracht fehlender Bedienelemente fällt mir nichts ein, was am Purifier kaputtgehen könnte. Auf der Oberseite finden wir eine intelligent schaltende 4mm-Buchse und zwei LEDs. Eine LED zeigt funktionierende Erdung an, die andere weist auf falsche oder richtige Polung des Purifiers hin. Das war’s.

Der praktische Nutzen bis hierhin ist eher beschränkt, vor allem in Deutschland. Üblicherweise habe Geräte, die geerdet gehören, einen Schutzleiter, und dieser hat zu funktionieren. Eine Netzleiste, in der der ifi eine fehlerhafte Erdung anzeigt, bringen Sie bitte zum nächsten Recyclinghof. Ander ist es bei Geräten, die man erden kann – diese haben meistens dafür gekennzeichnete Klemmen oder Schrauben. Hier ist der ifi zur Vermeidung von Brummschleifen sinnvoll einsetzbar – eben mit der erwähnten 4mm-Buchse, die sich bei Bedarf selbst schaltet.

Bleibet noch die Polaritäts-Anzeige. Um gleich mal ein Missverständnis zu beseitigen: Der AC iPurifier zeigt am deutschen Stromnetz nur seine eigene Polarität an, nicht die der anderen angeschlossenen Geräte. Verpolungen sind beim Schukostecker prinzipiell nicht zu verhindern aber eben auch schnell zu beheben. Anders beim britischen Commonwealth-Stecker. Wenn der ifi AC iPurifier hier rot leuchtet, liegt ein richtiger Installationsfehler vor, der alle angeschlossenen Geräte betrifft. In Großbritannien hat der Außenleiter rechts zu sein – immer!

 

Die Hauptaufgabe erledigt ifi nach eigenem Bekunden mit Intelligenz. So wird das anliegende Signal analysiert und nahezu jede Störkomponente, die auf dem 50Hz-Sinus mitreitet, durch gegenphasige Signale „ausgelöscht“. Was wir als „Active Noise Cancelling“ vom Kopfhörer kennen, soll hier also den Strom beruhigen. Daneben sagt ifi seinem Produkt eine Schutzfunktion gegen stärkere Störimpulse nach – eine Eigenschaft, die ich in Ermangelung regelmäßiger Blitzeinschläge in 5 Monaten nicht testen musste.

Dafür durfte ich den kleinen Netzfilter in verschiedenen Konstellationen testen und mir dafür richtig Zeit nehmen. Im Artikel „Womit ich so Musik höre“ hatte ich zwei Ketten vorgestellt, die aktuell so bei mir aufgebaut sind. Dazu kommt noch eine Kopfhörer-Station, bestehend aus einem Raspberry/Hifiberry-Gespann und dem hervorragenden Millett NuHybrid-Kopfhörer-Verstärker. An Kopfhörern sind im Einsatz Beyerdynamic DT880 (600Ohm) und DT770(32hm), AMD K701, AKG K271 studio sowie ein Shure SRH840. Das sollte an Diversität genügen: Ein komplett analoges Röhren-Setup mit 18 Watt und konventionellen Lautsprechern, ein digital gefiltertes Transistor-Grab mit 700 Watt Ausgangsleistung und Koax-Horn sowie eine feinsinnige Kopfhörer-Maschine um richtiggehend in die Aufnahmen hineinzukriechen. Dazu bin ich im Testzeitraum auch noch umgezogen (das gibt einen eigenen Bericht), habe also neben allem anderen eine neue Hausverkabelung und möglicherweise eine andere Zusammensetzung von Störquellen bekommen. Das erklärt auch den langen Zeitraum, den ich nun schon mit diesem Test verbringe – die Rahmenbedingen haben sich geändert und wollen fair betrachtet werden.

Der Hersteller selbst schlägt verschiedene Einsatzmöglichkeiten vor: In benachbarten Wanddosen sowie in Steckerleisten vor und hinter kritischen Komponenten. Habe ich alles ausprobiert. Bedarf ist da: Britzeln, Rauschen, Unruhe im Klangbild und zerfaserte Höhen sind alles Erscheinungen, die mir nicht fremd sind. Sie sind nicht sonderlich stark ausgeprägt – dann und wann nehme ich sie aber wahr und würde mich über Verbesserung in diesem Punkt freuen. Und wenn ein iPurifier nicht helfe, so suggeriert ifi, sei es sinnvoll, gleich mehrere Filter einzusetzen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Ich bin bei einem Einzelexemplar geblieben und wollte hören, was mit einer einmaligen Investition von 119€ möglich ist :

Das kommt jetzt vielleicht ernüchternd rüber, aber es ist mir in 5 Monaten an drei Ketten und in zwei Häusern nicht gelungen, irgendeinen Effekt zu hören, der mit dem Testgerät zu tun hätte. Das Spektrum an Störgeräuschen, das ich bei mir kenne, verändert sich durch den Einsatz des iPurifiers nicht. Es wird nicht dumpfer oder heller, es wird nicht weniger störend und auch nicht leiser. Die Musik wird nicht besser erfahrbar, direkter oder sauberer in den Raum gestellt. Abgrenzung von Instrumenten und Raumbezüge in der Tiefe werden nicht klarer. Da nicht auszuschließen ist, dass sich meine Geräte gegenseitig beeinflussen, habe ich beim Hören eine Komponente nach der anderen ausgesteckt und zum Schluss nur noch mit dem Verstärker am Netz und meinem Ohr am Hochtöner versucht, Änderungen zu erkennen. Dabei enttarnte ich zwei Störenfriede in den eigenen Reihen, gegen die der kleine ifi nichts ausrichten kann (mein Phono-Vorverstärker und die Bullfrog Endstufe).

So wie die Sache steht, ist der ifi iPurifier für mich ein schickes Zubehörprodukt (mit Phasenprüfer,) das ich zwecks Beruhigung meines Gewissens im Steckplatz vor meinem miniDSP eingesteckt lasse. Vielleicht funktioniert ja der Schutz gegen starke Impulse und rettet wenigstens dem DSP mal das Leben?

Womit ich dem Produkt an sich seine Wirksamkeit nicht vollends absprechen will – nur funktioniert es bei mir und meinen Ohren nicht. Die Beschäftigung mit dem Thema ist absolut spannend, und ich werde früher oder später sicher noch einen Filter von Isotek oder Furman ausprobieren. Überhaupt sollten wir Konsumenten mehr experimentieren – und ehrlich darüber sprechen. Dann mit mehr Erfahrung und weniger Marketing-Sprech hätte das Thema Stromversorgung vielleicht mal eine Chance, fair beleuchtet zu werden.

 

Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.