DIY, Elektronik, HiFi

K(l)eine Ursache

Wenn mir Dinge zu denken geben, sind Sie für mich prinzipiell schon mal ein Geschenk. Klar, ich mag stabile Verhältnisse und Bestätigung wie die meisten Menschen auch. Aber das unverhoffte kritische Ins-Nachdenken-Kommen brauche ich genauso. Als ganz direktes Feedback an mich selbst: „Hey, Du bewegst Dich ja doch noch.“ Nicht jeden Tag gibt es ein großes Geschenk, nicht jeden Tag muss ich meine Weltsicht umkrempeln, weil da ganz grundsätzliche Ansichten in Frage gestellt wurden. Was mir aber heute passiert ist, ist sehr klein und doch besonders.

Verstehen wir uns nicht falsch: Hier geht es immer noch um Hifi. Um Musik aus der Konserve. Um den puren Eskapismus. In meiner Arbeit mit Menschen bin ich es gewohnt, Feedback zu bekommen und zu geben, das ganz existentielle Fragen aufwirft. Mein Hobby hat nichts von dieser Tragweite oder Relevanz. Viel schlimmer: Heute geht es um Silberstecker!

In meinen sich stetig ändernden Ketten und Gerätekombinationen gibt es eine feste Konstante: Mein Lautsprecherkabel ist von Kimber. Ein schlichtes 8PR, das schon meinen ersten Pioneer-Verstärker und die ersten „richtigen“ Lautsprecher von Dali miteinander verband. Wer mich etwas kennt weiß, dass ich mit dem Kabelzirkus nicht viel am Hut habe. Das Kimber war ein Zufallskauf bei ebay, den ich seit 15 Jahren nicht bereue. Aktuell verbindet es meinen Cayin Röhrenverstärker mit den Sonics Amerigo – immer noch in der gleichen Konfektionierung mit Hohlbananas wie am ersten Tag. Diese Stecker sind verschraubt und bestehen aus vergoldetem Messing. Dynavox und Inakusik bieten diese unscheinbaren Dinger mit der roten/schwarzen Plastik-Hülle immer noch an. Kann nicht so schlecht sein. Ich hatte also nicht vor, daran etwas zu ändern.

Nun beschäftige ich mich intensiv mit einem Verstärker-Neubau für die Bullfrogs (das ist ein anderes Thema). Aber im Zuge dieser Thematik war die Anfertigung eines neuen Lautsprecherkabels dran, denn hier will ich auf jeden Fall alles richtig machen. Ich suchte nach günstigen Verbindern, die arm an Masse, reich an Oberfläche, stabil und sehr gut leitend sind. Die“Harmony Bananas“ von Keith Eichmann gehen da schon in die richtige Richtung, sind mir aber viel zu teuer. Wie wäre es mit versilberten Hohlbananas aus Beryllium-Kupfer? Die gibt es bei ebay oder bei Art & Voice und einigen anderen. Der Preis ist niedrig, und so bestellte ich gleich ein paar mehr um dem alten Gefährten, meinem Kimber 8PR, mal „neue Schuhe“ zu gönnen.

IMG_20190217_180925.jpg

Versilberte Hohlbananas aus Beryllium Kupfer vom Verkäufer „Soundbörse“ (ebay)

Was kann ich nun zum Ergebnis sagen?

  1. Die Stecker sind stabil und wiegen circa so gut wie nichts. 580 Milligramm. Nur blanke Kabelenden können leichter sein. Die alten Messing-Bananas waren dagegen die reinsten „Klötze“.
  2. Die alten Verbindungen waren verschraubt. Beim Lösen der Stecker rieselten mir zerbröselte Reste dunkelbraun korrodierten Kupfers entgegen. Löten kann da nur besser sein.
  3. Das Löten mit diesen Steckern will geübt werden. Man kommt mit dem Lötkolben nämlich nicht ins Innere. Außerdem ist das Kimber 8PR mit seinen 16 Einzellitzen kein leichter Spielpartner auf der Werkbank. Ich war darauf vorbereitet, dass der erste Stecker nicht schön werden würde – diese Erwartung habe ich deutlich übertroffen. Da half nur noch großzügiges Abschneiden, ab in den Müll und neu anfangen. Schließlich hat sich dieser Weg als erfolgreich bewiesen:
    • 15 Zentimeter entflechten und sortiert zu braun bzw. schwarz verdrehen.
    • Die Enden gerade abschneiden, dann wieder ein wenig aufdrehen und 15 Millimeter abisolieren. Hierzu benötigen Sie ein richtiges Werkzeug. Bei 64 Litzen (Stereo) drohen sonst Schnittwunden, abgerissene Drähte, schmerzende Handgelenke und Lustlosigkeit.
    • Alles sauber wieder zusammendrehen, großzügig verzinnen und bei 10 Millimetern nochmals gerade abschneiden. Nehmen Sie eine breite meißelförmige Lötspitze und einen Lötkolben mit mindestens 60 Watt.
    • Beim Löten soll das Lötzinn im hinteren Teil des Steckers bleiben. Spannen Sie das Kabelende deshalb senkrecht mit der verzinnten Spitze nach oben ein, stecken Sie den Hohlbananenstecker oben drauf und erhitzen Sie ihn mit dem Lötkolben von außen. Bei dünneren Leitungen sollte der Stecker nur leicht schräg nach oben zeigen. Sonst läuft das Zinn zu schnell nach hinten durch.
    • Führen Sie von oben durch den Hohlstecker Lötzinn nach. Achten Sie dabei darauf, dass kein Lötzinn im flexiblen vorderen Teil des Steckers hängenbleibt und ebenso, dass die Isolierung des Kabels nicht völlig wegbrutzelt.
    • Zum Schluss noch mit Schrumpfschlauch überziehen – fertig!
  4. Die Verbindung ist großartig! Der Stecker sitzt sehr gut und schaut vernünftig aus.

IMG_20190217_175353.jpg

Was ich nicht erwartet hätte ist, dass ich wirklich einen Unterschied wahrnehme. Die Kette aus Sonics-Lautsprechern und einem KT88-Verstärker klingt sonst sehr weich, ein bisschen langsam. Ich schätze das als guten Kontrast zu meiner sonstigen Kost aus Horn und Kopfhörern. Wie viel in diesem Samt-Modus verloren geht, meinte ich einschätzen zu können. Bis jetzt! Da sind subtile Unterschiede, die ich in der Art nicht erwartet und Steckverbindern nicht zugetraut hätte.

Kleiner Exkurs: Die professionellen Hifi-Redakteure neigen ja gern dazu, schwere Verstärker, fette Kabel, hundsschwere Tonabnehmer und dicke Masselaufwerke mit mächtigem und voluminösem Bass zu assoziieren (z.B. McIntosh oder Transrotor), während dem Leichtbau (z.B. Plattenspieler von Rega oder Lautsprecherkabel Reson LSC) gern Rhythmus und Durchzeichnung zugeschrieben werden. Ich finde das so bildlich assoziativ wie dämlich – aber es funktioniert immer wieder.

IMG_20190217_175332.jpg

Die Silberstecker machen (im Vergleich zur korrodierten Messing-Kupfer-Verbindung, so fair muss man sein) was ganz anderes: Ein Quäntchen mehr Dynamik und Volumen im Bass. Tiefgang mit Qualität. Das hört sich überhaupt nicht nach 4,7 Gramm versilbertem Kupferblech an. Das hat richtig Gewicht und Körper. Außerdem hatten die Sonics die unangenehme Angewohntheit, bei höheren Lautstärken anstrengend zu werden. Leicht nervös im Hochton und anstrengend im oberen Mittelton. Eine Sopranstimme, Chor oder Saxophon hatten was von einer harten Giftigkeit – gut, dass ich fast immer leise höre. Oder höre ich etwa leise, weil ich der Nervigkeit entgehen will?

Wie auch immer, die Sonics hatten ein Problem, und das ist nun weg. Ein neu konfektioniertes Kabel hat Entspannung ins Klangbild gebracht. Und dass ich sowas mal schreiben würde, das gibt mir halt zu denken.

Standard
Messe

Lejonklou?

Noch nie gehört, und das ist unerhört. Der Vertrieb (Hexagon) sitzt in Amsterdam. Der Hersteller – ein sehr sympathischer unglaublich jung wirkender Mann – ist Schwede. Und was macht Fredrik Lejonklou so? Er baut Verstärker zwischen 650 und 36.000 Euro, alles analog, alles für die perfekte Vinylwiedergabe. Perfektionistisch. Aber auch nicht dogmatisch.

Was mir richtig zusagt, ist das komplette Fehlen von allem Kabel-Zauber. Baumarkt-Steckdosen und einfache Beipack-Netzstrippen tun es auch, wenn man als Entwickler wirklich weiß, was die eigenen Kreationen können. Instrumente haben Detail, Struktur, Raum ohne Ende. Entspannt und anregend zugleich. Fantastisch!

Standard
Uncategorized

Lebenszeichen

Ja, ich hab das auch mal gehört. Dass man schnell vergessen wird. Dass Präsenz und Aufmerksamkeit in sozialen Medien über alles geht. Dass man nach 14 Tagen Inaktivität im Netz vergessen ist. Alles richtig. Aber wichtig?

Das ist eine Frage der persönlichen Zielsetzung. Mache ich das hier um Reichweite zu generieren? Nein, das Schreiben ist der Teil meines Hobbys, den ich mit anderen teilen kann ohne mir ständig fremde Menschen zu Hörsessions ins Haus zu holen. Es ist mein Kanal für all die Infos und Gedanken, mit denen ich meine Mitmenschen nicht ständig ungefragt im Gespräch belästigen möchte. Außerdem: Schreiben ist ne ergiebige Fingerübung, wenn der reguläre Job überwiegend aus Sprecharbeit besteht. Ich schreibe hier für mich.

Das letzte 3/4 Jahr stand Hifi für mich nicht immer in erster Reihe, war aber immer da. Genau wie ich. Viel ist passiert, und Einiges generiert auch Geschichten für diesen Blog.

Was kommt?

  • Der Audiophile zieht um – ein kleiner Ratgeber
  • The Full Swing – Bau eines Leistungsverstärkers mit -120dB THD @ 1W
  • Kurze Blitzlichter von den Norddeutschen Hifitagen 2019

Beste Grüße,

Jazzlampe

Standard
Branche, Elektronik, HiFi

Ist das alles?

Das war jetzt mal neu ausgiebige Hörsession mit der Firma Burmester: Die dreieinhalb Stunden Autofahrt mit der V-Klasse von Mercedes-Benz lassen mich doch recht ernüchtert zurück. Da herrscht Pseudoauflösung durch jede Menge Hochton-Energie, es geht auch richtig laut, liefert aber wenig Einsicht ins musikalische Geschehen. Wo sind die Phrasierungen, was ist mit der Feindynamik passiert? Im schicken Luxus-Van passiert emotional gar nix bei mir. Klar, Autos sind keine audiophilen Räume – daran ändert auch Burmester nichts. Doch warum gibt ein Hersteller mit gutem Ruf seinen Namen für etwas her, was nicht überzeugen kann? Und wie sieht der typische Käufer für sowas aus? Bestellt der die Burmester-Anlage, weil es serienmäßig nichts Besseres gibt? Oder lockt der Markenname solvente Kundschaft an, die daheim auch mit dem Küchenradio von Bose zufrieden ist, und jetzt – typisch deutsch – im Auto „das Beste“ haben will?

Wie schon gesagt – ziemlich ratlos.

Standard
Elektronik, HiFi

AC iPurifier

Ich hab da noch was offen: Einen Bericht über den AC iPurifier von ifi.

Das kleine unscheinbare „Gerät“ ähnelt eher einem massiven Schuko-Stecker, ist streng zylinderförmig und in glänzend weißen Kunststoff gewandet. Alles wirkt überaus solide, und in Anbetracht fehlender Bedienelemente fällt mir nichts ein, was am Purifier kaputtgehen könnte. Auf der Oberseite finden wir eine intelligent schaltende 4mm-Buchse und zwei LEDs. Eine LED zeigt funktionierende Erdung an, die andere weist auf falsche oder richtige Polung des Purifiers hin. Das war’s.

Der praktische Nutzen bis hierhin ist eher beschränkt, vor allem in Deutschland. Üblicherweise habe Geräte, die geerdet gehören, einen Schutzleiter, und dieser hat zu funktionieren. Eine Netzleiste, in der der ifi eine fehlerhafte Erdung anzeigt, bringen Sie bitte zum nächsten Recyclinghof. Ander ist es bei Geräten, die man erden kann – diese haben meistens dafür gekennzeichnete Klemmen oder Schrauben. Hier ist der ifi zur Vermeidung von Brummschleifen sinnvoll einsetzbar – eben mit der erwähnten 4mm-Buchse, die sich bei Bedarf selbst schaltet.

Bleibet noch die Polaritäts-Anzeige. Um gleich mal ein Missverständnis zu beseitigen: Der AC iPurifier zeigt am deutschen Stromnetz nur seine eigene Polarität an, nicht die der anderen angeschlossenen Geräte. Verpolungen sind beim Schukostecker prinzipiell nicht zu verhindern aber eben auch schnell zu beheben. Anders beim britischen Commonwealth-Stecker. Wenn der ifi AC iPurifier hier rot leuchtet, liegt ein richtiger Installationsfehler vor, der alle angeschlossenen Geräte betrifft. In Großbritannien hat der Außenleiter rechts zu sein – immer!

 

Die Hauptaufgabe erledigt ifi nach eigenem Bekunden mit Intelligenz. So wird das anliegende Signal analysiert und nahezu jede Störkomponente, die auf dem 50Hz-Sinus mitreitet, durch gegenphasige Signale „ausgelöscht“. Was wir als „Active Noise Cancelling“ vom Kopfhörer kennen, soll hier also den Strom beruhigen. Daneben sagt ifi seinem Produkt eine Schutzfunktion gegen stärkere Störimpulse nach – eine Eigenschaft, die ich in Ermangelung regelmäßiger Blitzeinschläge in 5 Monaten nicht testen musste.

Dafür durfte ich den kleinen Netzfilter in verschiedenen Konstellationen testen und mir dafür richtig Zeit nehmen. Im Artikel „Womit ich so Musik höre“ hatte ich zwei Ketten vorgestellt, die aktuell so bei mir aufgebaut sind. Dazu kommt noch eine Kopfhörer-Station, bestehend aus einem Raspberry/Hifiberry-Gespann und dem hervorragenden Millett NuHybrid-Kopfhörer-Verstärker. An Kopfhörern sind im Einsatz Beyerdynamic DT880 (600Ohm) und DT770(32hm), AMD K701, AKG K271 studio sowie ein Shure SRH840. Das sollte an Diversität genügen: Ein komplett analoges Röhren-Setup mit 18 Watt und konventionellen Lautsprechern, ein digital gefiltertes Transistor-Grab mit 700 Watt Ausgangsleistung und Koax-Horn sowie eine feinsinnige Kopfhörer-Maschine um richtiggehend in die Aufnahmen hineinzukriechen. Dazu bin ich im Testzeitraum auch noch umgezogen (das gibt einen eigenen Bericht), habe also neben allem anderen eine neue Hausverkabelung und möglicherweise eine andere Zusammensetzung von Störquellen bekommen. Das erklärt auch den langen Zeitraum, den ich nun schon mit diesem Test verbringe – die Rahmenbedingen haben sich geändert und wollen fair betrachtet werden.

Der Hersteller selbst schlägt verschiedene Einsatzmöglichkeiten vor: In benachbarten Wanddosen sowie in Steckerleisten vor und hinter kritischen Komponenten. Habe ich alles ausprobiert. Bedarf ist da: Britzeln, Rauschen, Unruhe im Klangbild und zerfaserte Höhen sind alles Erscheinungen, die mir nicht fremd sind. Sie sind nicht sonderlich stark ausgeprägt – dann und wann nehme ich sie aber wahr und würde mich über Verbesserung in diesem Punkt freuen. Und wenn ein iPurifier nicht helfe, so suggeriert ifi, sei es sinnvoll, gleich mehrere Filter einzusetzen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Ich bin bei einem Einzelexemplar geblieben und wollte hören, was mit einer einmaligen Investition von 119€ möglich ist :

Das kommt jetzt vielleicht ernüchternd rüber, aber es ist mir in 5 Monaten an drei Ketten und in zwei Häusern nicht gelungen, irgendeinen Effekt zu hören, der mit dem Testgerät zu tun hätte. Das Spektrum an Störgeräuschen, das ich bei mir kenne, verändert sich durch den Einsatz des iPurifiers nicht. Es wird nicht dumpfer oder heller, es wird nicht weniger störend und auch nicht leiser. Die Musik wird nicht besser erfahrbar, direkter oder sauberer in den Raum gestellt. Abgrenzung von Instrumenten und Raumbezüge in der Tiefe werden nicht klarer. Da nicht auszuschließen ist, dass sich meine Geräte gegenseitig beeinflussen, habe ich beim Hören eine Komponente nach der anderen ausgesteckt und zum Schluss nur noch mit dem Verstärker am Netz und meinem Ohr am Hochtöner versucht, Änderungen zu erkennen. Dabei enttarnte ich zwei Störenfriede in den eigenen Reihen, gegen die der kleine ifi nichts ausrichten kann (mein Phono-Vorverstärker und die Bullfrog Endstufe).

So wie die Sache steht, ist der ifi iPurifier für mich ein schickes Zubehörprodukt (mit Phasenprüfer,) das ich zwecks Beruhigung meines Gewissens im Steckplatz vor meinem miniDSP eingesteckt lasse. Vielleicht funktioniert ja der Schutz gegen starke Impulse und rettet wenigstens dem DSP mal das Leben?

Womit ich dem Produkt an sich seine Wirksamkeit nicht vollends absprechen will – nur funktioniert es bei mir und meinen Ohren nicht. Die Beschäftigung mit dem Thema ist absolut spannend, und ich werde früher oder später sicher noch einen Filter von Isotek oder Furman ausprobieren. Überhaupt sollten wir Konsumenten mehr experimentieren – und ehrlich darüber sprechen. Dann mit mehr Erfahrung und weniger Marketing-Sprech hätte das Thema Stromversorgung vielleicht mal eine Chance, fair beleuchtet zu werden.

 

Standard