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Prinzipiell richtig…

„Kameras sind nur Werkzeuge“ – in dieser oder ähnlicher Form wurde die Weisheit schon übers Land gebracht. Ja, im Prinzip.

Ich möchte dieser Ansicht gern insofern recht geben, dass man selbst mit der teuersten Kamera nichts Brauchbares zustandebringt solange man nicht wirklich „sieht“. Und sehen geht über das Hinschauen hinaus – es ist die ästhetische Abwägung zwischen dem was physikalisch da ist und dem was der kreative Umgang mit den Werkzeugen entstehen lässt. Wenn ich nach einer Analogie suchen soll, fällt mir als erstes das Bild einer Holzbildhauerin ein – da hat jemand ein Stück Holz, in dem sie etwas sieht. Andere sehen es nicht, doch für die kreative Persönlichkeit verbirgt sich im Holzklotz etwas anderes, das von ihr entdeckt und nun herausgerarbeitet werden will. Und dann gibt es Werkzeuge, mit denen die Schaffende dieses Herausarbeiten ganz handwerklich umsetzen kann. Mit der Arbeit verändert sich der Gegenstand – der physische wie der imaginäre und wird Kunst. Soweit reicht die Analogie.

Beim Fotografieren sieht man die Welt bereits in grober Form durch einen kreativen Filter: Ausschnitt, Bildwinkel, Perspektive, Schärfentiefe. Noch heftiger in der spiegellosen digitalen Fotografie, denn hier ist im Moment der Motivsuche schon alles einstellbar: Sättigung, Kontrast, Tonwerte, Schärfe, Weißabgleich. Einstellbar oder vorgegeben? Die Kamera bietet mir eine ästhetische Interpretation des Bildes an. Und je nachdem wie gut ich mich von dem, was mir die Kamera anbietet, emanzipieren kann, ist das ein Hindernis oder sogar förderlich.

Die moderne Kamera ist nämlich mehr als ein Werkzeug – sie schränkt meine kreative Anstrengung ein und gibt mir „Looks“. Und so zwingt sie mich, selbstbewusst einen eigenen kreativen Standpunkt einzunehmen. Ich finde beides als ok und empfinde beides als gleichermaßen schwierig.

Ein gutes Hilfsmittel für den Fuji-X-Fotografen, der sich in der Aufnahmesituation nicht beeinflussen lassen und trotzdem die Möglichkeiten seiner Kamera nutzen möchte, ist übrigens „Fujifilm X RAW Studio“. Hier kann ich die meisten Settings der Bildgestaltung ganz genau so, wie ich sie in der Kamera vorgefunden hätte, per Software und am großen, kalibrierten Bildschirm nachstellen und dann vom Prozessor der angeschlossenen Kamera errechnen lassen. Spätestens seit ich die großartigen Filmsimultations-Rezepte von Ritchie Roesch kenne, ist das eine nie versiegende Quelle von Spielerei.

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Zollenspieker, Fuji X-T3, Fujnon XF 18/2.0, „Monochrome Kodachrome“

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Zollenspieker, Fuji X-T3, Fujnon XF 18/2.0, „Dramatic Monochrome“

In dieser Woche stelle ich ein Motiv in der Nähe des Zollenspiekers vor. Eine RAW-Datei, zwei Ergebnisse (SOOC-JPEGs). Die Aufnahme habe ich ganz bewusst mit weichen Kontrasten (Filmsimulation „Eterna“, Lichter -2, Schatten -1, DR 400, kein Korn) gemacht und zu Hause mit X RAW Studio „aufgebrezelt“. Genauere Informationen (und exzellente Beispiele) zu den Filmsimulatationen finden Sie bei Fuji X Weekly (Monochrome Kodachrome und Dramatic Monochrome).

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Fotografie, In eigener Sache, kunst

Mehr als nur Hifi

Manchmal ist eine Geschichte zuende. Nicht fertig erzählt. Sie ist dramaturgisch an einer Stelle angekommen, an der der Autor weiß, was noch zu erzählen ist. Er sieht die Möglichkeiten der Geschichtevor sich und fragt sich ob diese Zukunft denn schreibens- und lesenswert sei.

So verhält es sich mit meiner Beziehung zum Hifi. Ja, die leidenschaftliche Auseinandersetzung mit Technik, Trends und Lösungskonzepten – sie ist noch da. Gelegentlich entwickelt sich am heimischen Setup auch noch was. Und ganz sicher höre ich jeden Tag Musik, keine Sorge. Nur ob ich darüber schreiben soll – hier bin ich nach einem Jahr Pause mehr als unsicher.

Abbildung des Eingangsbereich im UKE Hamburg

Zentralarchiv UKE Hamburg, 03/2020

Andererseits ist das Schreiben eine effektive Art, seine Gedanken zu ordnen. Ist wichtig. Sollte ich nicht aufgeben. Und aus diesem Grund bekommt der Blog ein weiteres Thema, um regelmäßig Gedanken und Ideen in die Welt transportieren zu dürfen. Wie Sie vielleicht nicht wissen, habe ich neben dem Musikkonsum auch noch ein produktiv-kreatives Hobby. Ich fotografiere.

Mein Ziel ist, an dieser Stelle jede Woche eine kleine fotografische Idee zu plazieren. Das kann ein Bild, ein Stück Ausrüstung, ein Life-Hack oder ein Kommentar zur Zeit sein.

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Elektronik, kunst, offtopic, vintage

Off-HiFi: Wandlung im doppelten Sinne

Liebe Leser,

Upcycling ist keine neue Idee. Seit Jahren führen uns kreative Menschen vor Augen, wie viel wir wegwerfen. Es ist so viel, dass es sogar reicht um alle Arten von Kunsthandwerk, Gebrauchsgegenständen und Designs zu produzieren, ohne dass unser Wohlstandsmüll dadurch wesentlich reduziert würde. Es ist zu viel.

Nun können wir darüber betrübt sein, wir können aber auch unsere Äpfel lose nach Hause tragen. Wir sollten nachhaltige Produkte kaufen und allgemein mehr auf die lange Haltbarkeit von Konsumgütern achten. Wir HiFi-Verrückten sind da mit dem eingebauten Gewissens-Doping versorgt: Unsere Anschaffungen überleben das nächste Handy um den Faktor 10. (Dass der so langlebige japanische SET-Verstärker im Laufe seiner hifidelen Lebenszeit die Energieressourcen einer Großfamilie verschlingt , ist ein anderes Thema…)

Um wieder auf’s kreative Upcyceln zu kommen – das ist für mich nicht die Lösung. Es ist eiun wertvoller Hinweis, es ist kreatives Statement, bewusster Umgang mit Materialien, es ist Perspektivenwechsel und manchmal ist es einfach schön.

Die Hamburgerin Marina Nörren gestaltet unter dem Label „Transformator-Art“ Schmuck aus Elektronik. Sie verwandelt schnöden bis ultra-edlen Elektroschrott in hoch individuelle, tragbare Kunst. Der hier dargestellte Anhänger ist Wandlung in dreierlei Hinsicht.

  1. Vom Schrottteil zu einem Paar Manschettenknöpfe (damals noch mit dem Kunststoffgehäuse).
  2. Nach dem Verlust des Linken wurde der Rechte geöffnet und zum Anhänger umgearbeitet.
  3. Und schließlich Wandlung, Aspekt Nr. 3: Der Baustein ist tatsächlich ein früher Digital-Analog-Wandler von Burr-Brown (DAC801k).

Wer sich die wunderbaren Arbeiten von Frau Nörren selbst besehen möchte, findet sie oft samstags von 11-18 Uhr beim „Der.Die.Sein Markt“ im Unilever-Haus. Zum Abschluss gibt es noch ein paar Manschettenknöpfe – mann kann ja nie genug davon haben…

Marina_MK

 

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