Musik

Hugh Masekela ist gegangen – Der Kohlenzug rollt weiter

Es kann sein, dass „Stimela“ bei den Norddeutschen Hifitagen nun wieder häufiger erklingen wird, nur um letztlich schnöde Werbung unter dem Etikett des Andenkens zu betreiben – der Mann, seine Haltung, die Kraft seiner Musik sind es aber unbedingt wert über den Moment hinaus in Erinnerung gehalten zu werden. Danke für die Freude am Spielen, die Bitterkeit der Worte, den Groove, den Witz und die Tränen der Ergriffenheit, die Du mir geschenkt hast.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/hugh-masekela-suedafrikanische-jazzlegende-ist-tot-a-1189298.html

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In eigener Sache, Musik, vintage

Rote Rarität

Liebe Leser,

kann einer von Ihnen vielleicht weiterhelfen? Beim Stöbern fand ich neulich eine ganze Kiste Schellack-Platten. Eine davon sah besonders spannend aus -aber ist das überhaupt Schellack? Das Material ist etwas leichter und in feinstem Dunkelrot gehalten. Könnte das bereits ein frühes 78er Vinyl anno 1946 sein?

Die Infos sind knapp – ein Label gibt es nur auf der Vorderseite.

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Und dann hab ich da noch etwas in eigener Sache. Nur mal um zu sehen, wer das hier unten noch liest: Meine 83 Schellacks werden verschenkt. Alles, was Sie machen müssen, ist

  • eine Mail an adrian.schoene[at]gmx.de schreiben
  • in Hamburg vorbeikommenern
  • einen Kaffee mit mir trinken
  • die Kisten mitnehmen

Die Platten sind aus verschiedenen Genres (Sinfonik, Opernquerschnitte, Tanzmusik, Operette, Arien, Chansons, Klaviermusik). Der Zustand ist schwer verschieden – von zerkratzt, verstaubt und verwellt bis hin zu g+. Sie kommen in zwei Koffern und zwei Alben, alles aus den 30er oder 40er Jahren. Wenn Sie wissen wollen, was Sie da inhaltlich erwartet: Ich habe die Labels abfotografiert und beantworte Fragen.

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Branche, In eigener Sache, Musik

Heute ist ein guter Tag

Seit die Deutsche Telekom mit StreamOn ein Vertragskonstrukt anbietet, das den Datentransfer bestimmter Streaming-Dienste („Partner“) nicht mehr ins monatliche Datenvolumen fallen lässt, bin ich dabei. Ich kenne die Diskussion um die Netzneutralität. Ich habe die AGBs für Partner gelesen. Und ich habe „meinen“ Streaminganbieter gefragt, ob sie nicht Partner werden wollen. Denn was habe ich von StreamOn? YouTube nutze ich nur sporadisch, beim ZDF schaue ich gelegentlich mal eine Folge Bares für Rares, das war’s dann auch schon. Aber meinen Streaming-Dienst, der mich als Sublime-Kunde schon ne Menge Geld kostet und den ich gerade wegen seiner kleinen Klassik-Labels liebe und schätze – den nutze ich unterwegse immer mit diesem doofen Hintergedanken: Eine Stunde gehört – sind schon wieder 380MB weg. Kannste ja eigentlich zu Hause in die Offline-Liste laden, geht ja auf’s Datenvolumen.

Das ist nicht sonderlich entspannt.Bis jetzt.

Das lange Warten scheint sich gelohnt zu haben: Qobuz ist seit neuestem dabei, und die Streaming-Welt bekommt das Gesicht, das sie in der Werbung immer trägt: Voller Zugrif, immer und überall.

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Musik

Nicht von dieser Welt.

Draußen regnet es, lässt vergessen, dass wir eine Jahreszeit namens „Sommer“ kennen. Der Sommer findet nämlich dem Kalender nach gerade statt. Mein Empfinden ist anders.

Der Trompeter Ambrose Akinmusire macht Jazz – der Besetzung nach. Doch was da zu hören und zu fühlen ist, funktionert nicht immer wie Jazz. Das ist keine Musik für Kopf und Beine, das trifft ganz tief ins Gemüt, fast unerkärlich, nicht ganz von dieser Welt. Björk lässt grüßen, und der Regen ist plötzlich keine lästige Begleiterscheinung mehr. Er gehört jetzt genau hier hin. In diesen Sommer, in diesen Moment.
Gutes Beispiel: „Our Basement“ vom Album „The Imagined Savior Is Far Easier To Paint“.

Bin begeistert!

 http://player.qobuz.com/#!/track/15000732

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Musik

Francis Poulenc: Konzert für zwei Klaviere und Orchester

Das hier geht unter dem Motto: Was ist der schönste Mozart, der nicht aus Mozarts Feder stammt? Für mich ist es dieses 1932 entstandene humoristische Klavierwerk – auch sonst eines der beliebtesten Konzerte für zwei Klaviere. Der Mittelsatz sprüht nur so vor Floskeln und vereinfachten Zitaten, der Rest ist großartige Filmmusik, die in ihrem Witz dem lieben Mozart noch um einiges näher kommt als durch ihre stilistischen Anleihen.

Drauf gekommen bin ich durch die Aufnahme des veritablen Mozart-Kenners Jos van Immerseel (bei Qobuz: http://player.qobuz.com/#!/album/3760009292475), die es bei Amazon auch als CD zu kaufen gibt. Bei Qobuz hat die Geschichte dafür 24 Bit Dynamik.

Gemeinsam mit der Anima Eterna Brügge wird hier mal wieder richtig musiziert – mit Sinn für Phrasierung, ordentlich Dynamik, schmissigem Tempo und grandios leuchtenden Klangfarben, vor allem in den Streichern. Die Produktion ist klangtechnisch wie fast alles aus der Outhere-Label-Familie einfach fantastisch! Ne richtig feine Sonntags-Platte!

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Musik

Aktuelle Musik: Matt Brewer „Mythology“

Matt Brewer ist Bassist – und macht klassischen Jazz der ganz ruhigen Sorte.

Das Erste, was mir zur CD einfällt, ist „Gesanglichkeit“. Melodiebögen sind klar nachvollziehbar und zeigen, dass auch die improvisierte Musik weiß, was ein Legato ist.

Es entstehen zarte Dialoge von Alt- und Tenorsaxofon, Klavier, Gitarre und Schlagzeug. Gleichberechtigte Partner, die sich zurücknehmen, wieder nach vorn gehen und achtsam miteinader umgehen, wie ich es zuletzt bei Enrico Ravas „New York Days“ gehört habe.

Produktionstechnisch sauber gemacht, Instrumente höre ich auf festen Plätzen, klar umrissen im Raum verteilt, der jedeoch etwas künstlich klingt.

Fazit: Nicht übermäßig spannend, aber wunderfein musiziert. Sollte man mal gehört haben.

Matt Brewer bei Wikipedia

Matt Brewer Webseite

Album-Info beim Label „Criss Cross Jazz“

„Mythology“ in Wimp spielen

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Musik

Vielfalt aus den Niederlanden: „No. 9“ von Wende Snijders

2008 setzte Wende mit „Chante!“ einen Meilenstein, musikalisch wie klanglich. 2009 ging die damals 31-jährige Niederländerin von der hochspannenden, innovativen Interpretation bekannter Chansons weiter in Richtung künstlerischen Eigenständigkeit. Das Ergebnis, „No.9“ passt jetzt eher in die Singer-Songwriter-Schublade. Klanglich ausgewogen, inhaltlich vielschichtig und überaus spannend, dabei doch noch eingängig lässt diese Platte nur noch die Frage offen, warum diese Künsterin in Deutschland noch so unbekannt ist.
Die 12 Stücke sind formal eigenständig, intelligent instrumentiert, mit Elektronik und Streichern aufgepeppt und effektreich arrangiert. Die Dynamik der Aufnahme geriet dabei weniger radikal und explosiv als bei „Chante!“. insgesamt befindet sich „No.9“ auf dem Weg zwischen Interpretation (Chante!, 2008) und Konzeptalbum (Last resistance, 2013) im allerbesten Pop-Gefilde, und das ist hier wirklich anerkennend gemeint.

Unbedingt anhören!

Ach ja, die referenzierten Alben nicht vergessen. Vor allem über „Last Resistance“ wird noch zu schreiben sein – indes, die Platte ist so bedeutungsschwer, da gilt es für den Schreiber etwas mehr Vorarbeit zu leisten.

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