Uncategorized

Endes des Winterschlafs – Teil 1: Das Pentacon 3.5/30mm

Langsam wäre es eigentlich Zeit für die „Summer-Works“. Aber meine jahreszeitlich inspirierte Bilderserie erfährt erstmal eine kleine Pause. Draußen regnet es in Strömen, ich habe Urlaub und suche in Corona-Zeiten nach Zerstreuung. Wie in meinem letzten Beitrag schon leise angekündigt, beschäftige ich mich aktuell recht intensiv mit alten Objektiven.

Gemeint sind solche Linsen, die für mechanische Kameras der 50er bis 80er Jahre gebaut und zum größten Teil vor dem zweiten Weltkrieg entwickelt wurden. Die meisten Objektive, um die es hier in den nächsten Artikeln gehen wird, sind Erbstücke aus DDR-Produktion. Mit ihnen hat mein Großvater fotografiert, dann mein Vater, und auch ich selbst habe durch dieses Glas fotografieren gelernt.  Angefangen habe ich mit 12 Jahren, die erste Kamera war eine Ihagee Exa 1a. Seit dieser Zeit begleiteten mich Tessar, Sonnar und Lydith durch die Welt. Allerdings weniger aktiv als es sich jetzt anhört. Die Ära der rein mechanischen Kameras schien bereits in meiner Jugend vorbei zu sein.

1997 kam ich günstig an meine erste EOS, die EXA und meine Exakta Varex landeten daraufhin mit allen Objektiven im Schrank.  2005 kaufte ich die erste digitale SLR. Seit 2014 ist mein Zeug spiegellos und von Fuiji. Die alten Objektive lagerten über all die Jahre im schweinsledernen Koffer, zogen mehrmals in neue Städte und Behausungen um und warteten geduldig auf bessere Zeiten. Diese Zeit scheint jetzt zu sein, denn dank der kurzen Auflagemaße u und der WYSIWYG-Philisophie der spiegellosen Systemkameras ist das Arbeiten mit manuellen Objektiven deutlich handlicher und schneller geworden. Und so schließe ich mich dem Trend etwas verspätet noch an und starte eine kleine Serie, in der ich die Schätzchen der Reihe nach an der Systemkamera teste, beschreibe und mal wieder nach Lust und Laune ausprobiere – immer im Vergleich mit ihren alten Geschwistern und den modernen Nachkommen von Fuji.

Alt und Jung in friedlicher Eintracht beisammen. Heute geht es um das kleine Schwarze ganz vorn.

Allgemeines

Mein heutiger Kandidat trägt eigentlich den Namen „Pentacon 3.5/30mm“. Entstanden ist er aber als „Meyer Lydith 3.5/30mm“. Es mag meiner Eitelkeit geschuldet sein, aber ich finde den Namen „Pentacon“ irgendwie schmucklos. Er trägt diesen Beigeschmack des Kombinats, dem nach und nach fast alle kleineren Betriebe in der DDR zugeschlagen wurden. Aber auch in der Jetzt-Zeit fühlt sich der Name „Lydith“ wertiger an, wo es doch seit einiger Zeit wieder einen modernen Nachbau gibt (der optisch übrigens gegenüber dem Original nicht verändert worden sein soll). Wenn man micht fragt und wenn die Ergebnise unten anschaue, dann finde ich bei dieser Neuinterpretation vor allem eines – ich finde sie zu teuer. Falls sich aber jemand wundert, warum in den EXIF-Daten „Lydith“ steht. Ich bin ein bisschen snobistisch veranlagt…

Das 30er ist am APS-C-Sensor eine Normalbrennweite, da passt es gut, dass das Pentacon klein und leicht ist. Entwickelt und gebaut wurde es zu Beginn der 60er Jahre bei Meyer Optik Görlitz, jedoch nicht ohne Vorarbeiten: Es gab nach dem zweiten Weltkrieg schon einmal einen Fünf-Linser bei Meyer, der ebenfalls zu den leichten Weitwinkeln gezählt werden kann, das Heliopan 40. Unter neuem Namen „Pentacon“ wurde es schließlich ab 1971 in hohen Stückzahlen bis 1990 gebaut. Verfügbar sind verschiedene Anschlüsse, bekannt sind mir Praktica B, M42 und Exakta. Ein passendes und gut erhaltenes Exemplar bekommt man bei ebay für 30 bis 40 Euro. Wir fassen also zuammen:

  • EXA- / Exakta-Anschluss
  • 5 Elemente in 5 Gruppen
  • Vorwahlblende
  • Naheinstellgrenze ca. 35cm
  • Filtergewinde M49
  • Vollmetall-Fassung, Gewicht 176g

Kleines Testzenario

Ich habe einfach mal den Blick in meinen Garten als Testszenario gewählt. Das mag nicht der professionellste Ansatz sein, aber ich bin halt kein professioneller Tester. Dafür habe ich die Möglichkeit, in meinem Garten mit meinem Vogelhaus und Nachbars Geräteschuppen notfalls über Jahre das gleiche Testszenario zu stellen. Zumindest kann man damit Schärfe, Unschärfe, Tiefenwirkung, Kontrast, Farben, Helligkeitsverteilung und Farbsäume beurteilen. Mir reicht das.

Grundsätzlich stelle ich also alle kommenden Objektiv-Kandidaten auf das Vogelhaus ein und fotografiere alle ganzen Blendenstufen einmal durch. Die Kamera (X-Pro3) wird dabei immer so eingestellt:

  • Mechanischer Verschluss
  • Stativ
  • ISO 640 fix, Zeitautomatik
  • Filmsimulation: Provia
  • Highlights/Schatten/Schärfen/Klarheit: 0
  • Entrauschung: -2
  • Weißabgleich: auto

Schauen wir uns kurz mal die Blendenreihe an und stellen fest: Das sieht nicht ganz schlecht aus. Allerdings ist der gut benutzbare Bereich deutlich auf die Blendenstufen 5.6 bis 11 beschränkt. Bei Blendenstufen 3.5 und 4 ist eine deutliche Vignettierung festzustellen. Das schockt mich etwas, schließlich ist dieses Objektiv für den Bildkreis des Kleinbildformats gerechnet. Wenn es an einem APS-C-Sensor zum Rand hin einen sichtbaren Helligkeitsabfall gibt, ist das schon ein deutlicher Mangel. Ansonsten ist noch auffällig, wie extrem die Zeichnung und Schärfe bei Blende 16 und 22 nachlassen. Das ist praktisch nicht verwendbar. Ansonsten gibt’s keine besonderen Auffälligkeiten: Für signifikant unscharfe Hintergründe muss man nah ans Motiv heran, was dank kurzer Nacheinstellgrenze von 33cm auch gut gelingt. Als Porträtobjektiv taugt das 30er meiner Meinung nach ganz gut.

  • Pro: Klein, leicht, handlich
  • Pro: Gut zu fokussieren
  • Pro: Praktische Naheinstellgrenze
  • Pro: Gute Schärfe ab Blende 5.6 ohne Härten
  • Pro: Wenig anfällig für Streulicht
  • Pro: hervorragende Mechanik und Robustheit
  • Pro: sehr günstig
  • Unentschieden: Brauchbare Trennung von Vorder- und Hintergrund, allerdings erst bei kurzen Abständen zum Objekt
  • Contra: Zu weich bei Offenblende
  • Contra: Vignettiert bei Blende 3.5-4 deutlich, und das am APS-C-Sensor(!)
  • Contra: Blendenstufen 16 und 22 praktisch nicht nutzbar

Kurz gesagt, ich mag dieses Objektiv. Die Kontraste und Farben sind gut, es lässt sich leicht und schnell fokussieren. Die Galerie mit Beispielbildern ist trotzdem etwas karg. Und das liegt schlichtweg daran, dass ich das Fujinon XF35/1.4 habe. Es ist mein Alltagsobjektiv, meine Allzweckwaffe im Standard-Bereich, dessen kleine Schwächen ich doch so liebe. Aber für’s kreative Fotografieren ist das Lydith eine klare Empfehlung, weswegen ich in nächster Zeit bewusst mehr damit machen werde.

Standard
DIY, Fotografie, Uncategorized

Neue Kleider

Nach zwei Reparaturen und sechs Jahren intensiver Benutzung hat die Belederung meiner X-Pro 1 doch etwas gelitten. Das schwarze Kunstleder, das Fuji hier eingesetzt hat, ist über jeden Zweifel erhaben. Aber 3 Skandinavien-Reisen, unzählige verschwitzte Bergtouren… Die Ecken haben begonnen, sich aufzuwellen, da machste nix mehr…

Ich sinne also über eine Erneuerung nach, und bei dem Gedanken kommt auch die Frage, ob ich den Look meiner alten Kamera nicht gleich komplett ändern möchte: Kameras im klassischen Messsucher-Design sind zwar an sich schon ein Statement. Doch richtig individuell sind sie auch nicht, solange der Markt mir lediglich die Wahl zwischen Schwarz, Anthrazit und Silber lässt. Will man was Gewagteres, greift man zur Sonder-Edition von Leica, klar. Bin ich nicht in der Zielgruppe – das ist Pech . Trotzdem steht meine Entscheidung: Ich will eine neue Farbe, was Individuelles, als Geschenk an die Kamera für langjährige, treue Dienste. Nur wie?

Ganz einfach: Schauen Sie mal bei der japanischen Firma Aki Asahi nach einem passenden Zuschnitt für Ihren Klassiker. Herr Nakamura hat in seinem kleinen Shop so einige Überraschungen parat. Fast alle beliebten Retro-Kameras lassen sich mit seiner Hilfe, maßgeschneidert neu einkleiden. 26$ kostet der Spaß – kann man mal machen. Ich bestelle eine beige-farbenes Leder im Eidechsen-Look und warte auf Post.

Post aus Japan, wie aufregend. Der Brief hat gerade mal vier Tage gebraucht.

Der Rest ist mit etwas handwerklichem Geschick für jeden Mutigen zu machen. Pulen Sie das Gummi vom Handgriff, dann sehen Sie: Sie benötigen einen kleinen Schraubendreher für den Handgriff. Später dann einen Holz- oder Kunststoffspatel zum Ablösen der alten Belederung und ggf. etwas Waschbenzin zum Entfernen hartnäckiger Kleberreste. Diese ersten Schritte fühlten sich nicht so toll an. Mache ich hier ohne Note etwas kaputt?

Beim „Anziehen“ helfen ein Schälchen Wasser (damit lässt sich die Klebefläche auch nachträglich noch etwas justieren), eine Vergrößerungsbrille und ne ruhige Hand. Vor allem an den Kanten und um die Schalter kann der Holzspachtel beim Andrücken sehr helfen. Der Handgriff kommt in meiner Variante nicht mehr dran – ich will es „clean“.

Die Passgenauigkeit ist extrem hoch. Aber Vorsicht: Das von mir geordete „Beige Lizard“-Material ist dicker als die originale Belederung – jeder zehntel Millimeter, den man beim Ausrichten daneben liegt führt an anderer Stelle zu Kanten, die sich nicht sauber anlegen sondern etwas „aufstehen“ Am ersten Abend hat es mich noch geärgert – mittlerweile kann ich drüber hinweg sehen. Für 26$ ist die Übung bei Nichtgefallen jederzeit zu wiederholen. Was spricht denn dagegen, jedes Jahr ein neues Kleid anzuschaffen? Wie wäre es denn mit Pink?

Ach ja: Ich hab das Ergebnis in Bildern dokumentiert.

Standard
Fotografie, kunst, Uncategorized

Prinzipiell richtig…

„Kameras sind nur Werkzeuge“ – in dieser oder ähnlicher Form wurde die Weisheit schon übers Land gebracht. Ja, im Prinzip.

Ich möchte dieser Ansicht gern insofern recht geben, dass man selbst mit der teuersten Kamera nichts Brauchbares zustandebringt solange man nicht wirklich „sieht“. Und sehen geht über das Hinschauen hinaus – es ist die ästhetische Abwägung zwischen dem was physikalisch da ist und dem was der kreative Umgang mit den Werkzeugen entstehen lässt. Wenn ich nach einer Analogie suchen soll, fällt mir als erstes das Bild einer Holzbildhauerin ein – da hat jemand ein Stück Holz, in dem sie etwas sieht. Andere sehen es nicht, doch für die kreative Persönlichkeit verbirgt sich im Holzklotz etwas anderes, das von ihr entdeckt und nun herausgerarbeitet werden will. Und dann gibt es Werkzeuge, mit denen die Schaffende dieses Herausarbeiten ganz handwerklich umsetzen kann. Mit der Arbeit verändert sich der Gegenstand – der physische wie der imaginäre und wird Kunst. Soweit reicht die Analogie.

Beim Fotografieren sieht man die Welt bereits in grober Form durch einen kreativen Filter: Ausschnitt, Bildwinkel, Perspektive, Schärfentiefe. Noch heftiger in der spiegellosen digitalen Fotografie, denn hier ist im Moment der Motivsuche schon alles einstellbar: Sättigung, Kontrast, Tonwerte, Schärfe, Weißabgleich. Einstellbar oder vorgegeben? Die Kamera bietet mir eine ästhetische Interpretation des Bildes an. Und je nachdem wie gut ich mich von dem, was mir die Kamera anbietet, emanzipieren kann, ist das ein Hindernis oder sogar förderlich.

Die moderne Kamera ist nämlich mehr als ein Werkzeug – sie schränkt meine kreative Anstrengung ein und gibt mir „Looks“. Und so zwingt sie mich, selbstbewusst einen eigenen kreativen Standpunkt einzunehmen. Ich finde beides als ok und empfinde beides als gleichermaßen schwierig.

Ein gutes Hilfsmittel für den Fuji-X-Fotografen, der sich in der Aufnahmesituation nicht beeinflussen lassen und trotzdem die Möglichkeiten seiner Kamera nutzen möchte, ist übrigens „Fujifilm X RAW Studio“. Hier kann ich die meisten Settings der Bildgestaltung ganz genau so, wie ich sie in der Kamera vorgefunden hätte, per Software und am großen, kalibrierten Bildschirm nachstellen und dann vom Prozessor der angeschlossenen Kamera errechnen lassen. Spätestens seit ich die großartigen Filmsimultations-Rezepte von Ritchie Roesch kenne, ist das eine nie versiegende Quelle von Spielerei.

DSCF6409(2)

Zollenspieker, Fuji X-T3, Fujnon XF 18/2.0, „Monochrome Kodachrome“

DSCF6409(3)

Zollenspieker, Fuji X-T3, Fujnon XF 18/2.0, „Dramatic Monochrome“

In dieser Woche stelle ich ein Motiv in der Nähe des Zollenspiekers vor. Eine RAW-Datei, zwei Ergebnisse (SOOC-JPEGs). Die Aufnahme habe ich ganz bewusst mit weichen Kontrasten (Filmsimulation „Eterna“, Lichter -2, Schatten -1, DR 400, kein Korn) gemacht und zu Hause mit X RAW Studio „aufgebrezelt“. Genauere Informationen (und exzellente Beispiele) zu den Filmsimulatationen finden Sie bei Fuji X Weekly (Monochrome Kodachrome und Dramatic Monochrome).

Standard
Uncategorized

Lebenszeichen

Ja, ich hab das auch mal gehört. Dass man schnell vergessen wird. Dass Präsenz und Aufmerksamkeit in sozialen Medien über alles geht. Dass man nach 14 Tagen Inaktivität im Netz vergessen ist. Alles richtig. Aber wichtig?

Das ist eine Frage der persönlichen Zielsetzung. Mache ich das hier um Reichweite zu generieren? Nein, das Schreiben ist der Teil meines Hobbys, den ich mit anderen teilen kann ohne mir ständig fremde Menschen zu Hörsessions ins Haus zu holen. Es ist mein Kanal für all die Infos und Gedanken, mit denen ich meine Mitmenschen nicht ständig ungefragt im Gespräch belästigen möchte. Außerdem: Schreiben ist ne ergiebige Fingerübung, wenn der reguläre Job überwiegend aus Sprecharbeit besteht. Ich schreibe hier für mich.

Das letzte 3/4 Jahr stand Hifi für mich nicht immer in erster Reihe, war aber immer da. Genau wie ich. Viel ist passiert, und Einiges generiert auch Geschichten für diesen Blog.

Was kommt?

  • Der Audiophile zieht um – ein kleiner Ratgeber
  • The Full Swing – Bau eines Leistungsverstärkers mit -120dB THD @ 1W
  • Kurze Blitzlichter von den Norddeutschen Hifitagen 2019

Beste Grüße,

Jazzlampe

Standard