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Ist das alles?

Das war jetzt mal neu ausgiebige Hörsession mit der Firma Burmester: Die dreieinhalb Stunden Autofahrt mit der V-Klasse von Mercedes-Benz lassen mich doch recht ernüchtert zurück. Da herrscht Pseudoauflösung durch jede Menge Hochton-Energie, es geht auch richtig laut, liefert aber wenig Einsicht ins musikalische Geschehen. Wo sind die Phrasierungen, was ist mit der Feindynamik passiert? Im schicken Luxus-Van passiert emotional gar nix bei mir. Klar, Autos sind keine audiophilen Räume – daran ändert auch Burmester nichts. Doch warum gibt ein Hersteller mit gutem Ruf seinen Namen für etwas her, was nicht überzeugen kann? Und wie sieht der typische Käufer für sowas aus? Bestellt der die Burmester-Anlage, weil es serienmäßig nichts Besseres gibt? Oder lockt der Markenname solvente Kundschaft an, die daheim auch mit dem Küchenradio von Bose zufrieden ist, und jetzt – typisch deutsch – im Auto „das Beste“ haben will?

Wie schon gesagt – ziemlich ratlos.

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Millett’s NuHybrid – (5) – ausführlicher Hörtest

Eine reichliche Woche haben ich den NuHybrid nun bei mir im Einsatz. Jeden Tag fällt mindestens eine Stunde intensives Musikhören dabei ab – am Wochenende ist es deutlich mehr, außerdem genieße ich mit meiner Frau auch gerne mal Filme über Kopfhörer. Jaja, wir sind lieb zu unseren Nachbarn… Ganz grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass die tägliche Stunde viel zuwenig ist – das Ding macht süchtig! Aber erstmal der Reihe nach.

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Ich höre über verschiedene Quellen: Am PC hängt ein M2Tech Hiface Dac, im Schlafzimmer steht ein IFI micro iDSD, im Wohnzimmer ein Denon DVD 3930 und in allen anderen Situationen nutze ich noch einen Hifiberry DAC – den allerersten mit dem  PCM 5102A. Meinen Nuhybrid schleppe ich also seit einer Woche von Raum zu Raum um ihn in allen Paarungen mal ausprobiert zu haben. Außerdem mussten verschiedene Kopfhörer* ran:

  • Shure SRH840
  • Beyerdynamic DT 770 32Ohm
  • Beyerdanymic DT 880 edition 600Ohm
  • AKG K271 Studio
  • AKG K701

Technisches

Die NuHybrid ist ein kleine Diva, die gleich zwei Star-Allüren mitbringt:

  1. Die Nutube neigt unverholen zur Mikrophonie. Wie Korg sich das in einem Gitarrenverstärker oder gar Bodeneffektgerät vorstellt, erschließt sich mir nach den ersten Erfahrungen wirklich nicht. Egal, was Sie mechanisch anstellen – Gehäuse antippen, den Kippschalter beim Anschalten schön schnippen lassen, den Verstärker zurechtrücken und dabei über die Stellfläche ziehen – alles wird mit hochfrequentem Sirren und Pfeifen beantwortet. Dieser Tinnitus braucht so 10-20 Sekunden um abzuklingen.
  2. Sie spielt nicht mit jedem sondern hat krasse Vorlieben. Vergessen Sie In-Ears und alles unter 250Ohm! Faustregel: Besser hochohmig und gerne leistungshungrig und offen. Der Shure (geschlossen, 40Ohm) reproduziert merkliches Brummen und Rauschen, klingt dumpf und immer zu laut. Der K701 kann die Spannung von bis zu 6 Volt gebrauchen, wirkt aber an der NuTube immer ein wenig angestrengt, komprimiert und hart. Ebenso der DT770. Bei 32 Ohm Impedanz rauscht es immer ein wenig, so dass beispielsweise bei Kammermusik viel Spannung verloren geht. Und Leisehören geht damit ebenfalls nicht. Den Traumpartner findet Pete Milletts Zögling im DT880 edition (600Ohm). Da stimmt auf einmal alles. Und das klingt dann so:

Dynamik

Butterweich geht der kleine Hybridverstärker zu Werke, feindynamisch hochspannend, aber in der Grobdynamik, in allen Impulsen und Transienten eher sanft. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Sie können sich schon prima erschrecken, wenn Dizzy Gillespie in „Frelimo“ plötzlich aus der Hüfte schießt. Und auch die kleine Trommel im ersten Takt von Poulencs Konzert für zwei Klaviere setzt mächtig Adrenalin frei. Aber eben stilvoll. Wo man dem DT880 gern Schärfe nachsagt ist hier alles eitel samtene Eleganz. Das geht laut und lange.

Frequenzbereiche

Tonal zeigt sich Milletts Konstruktion mustergültig – der Bass ist voluminös bis mächtig, dabei aber fein durchgezeichnet und kontrolliert. Er kann so knarzig und wuchtig daherkommen, dass Sie vergessen, dass Sie gerade nur Kopfhörer aufhaben.
Der Grundton ist einfach da – unauffällig, genug, um glaubhafte Körperhaftigkeit zu vermittleln, wenig genug um auf Lange Sicht nicht zu nerven.
Die Mitten sind wie bei den besten Single Ended Trioden klangfarbenstark und das wahre Fundament der Musik. Kennen Sie das – Aufnahmen, bei denen Sie im Booklet nachlesen müssen, ob Sie da gerade eine Klarinette oder ein Saxofon hören? Ja? Das ist mangelndes Auflösungsvermögen im Mittelton. Ich sage nicht, dass das mit dem Millett gar nicht mehr vorkommt, für die Aufnahmen kann er ja nichts. Aber dieses Gefühl, dass alles genau das ist, wonach es sich anhört – das ist richtiges Hifi und in diesem Gerät verdammt gut umgesetzt.
Die Höhen sehe ich kritisch. Samtig und detailreich ja, aber auch sehr anfällig für Klirr und andere Unbilde. Den von Pete Millett offen zugegebenerhöhten Klirr hören Sie, wenn Sie hoch ausgesteuerte Musik richtig laut hören wollen, und zwar im Hochton zuerst. Der Song „Brother? Brother!“ auf der gleichnamigen CD von Anne Ducros ist da ein schlimmes Beispiel.

Räumlichkeit und Auflösung

Räume reproduziert der NuHybrid an den richtigen Kopfhörern zum Niederknien schön. Weit, luftig zum Reinkriechen und Wegträumen. Faszinierend auch, dass Entfernung und Auflösung kein Widerspruch sind. Bei „Larry The Spinning Poodle“ von Bruce Katz bewegt sich das Saxophon immer leicht vor dem Mikrofon hin und her, räumlich dahinter findet im Klavier ein wilder Ragtime statt, aber da fehlt nichts. Suber aufgestellt, klar nachvollziehgbar und mit analytischen Kopfhörer ganz großartig durchhörbar ohne zu zerfallen.

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Was für ein fein glimmender Staubfänger. Der Millett NuHybrid ist für technisch affine Menschen durchaus hübsch anzuschauen. Wie lange das in den üblichen Staub-Dimensionen eines deutschen Haushalts noch so bleibt, ist ungewiss. Zur Notbekommt er später doch noch ein geschlossenes Gehäuse. Der Signal-Rausch-Abstand wird’s danken.

Fazit

Pete Millett ist mit seinem NuHybrid ein tolles Gerät zum Musikhören gelungen. Wer noch nie mit ernsthaftem Hifi zu tun hatte oder wissen will, was den Reiz von Röhrenvorstufen ausmacht: Hier ist der simple approach, der leichte Einstieg ins Selbermachen, ins Kennenlernen und dabeibleiben – er ist schnell aufgebaut, setzt wenig Kenntnisse und noch weniger Wissen voraus. Dazu gibt er sich so langzeittauglich wie wenige andere Komponenten, die ich kenne. Die Macken, die er hat, sind mit dem passenden Kopfhörer, einem guten Aufstellungsort (und dem Verzicht auf totkomprimierte Popmusik) gut in den Griff zu kriegen. Was dann kommt, ist einfach nur Spaß!

 
Gehörte Musik:

  • Stavanger Symphony Orchestra, Ole Kristian Ruud: Geirr Tveitt – 100 Folk Tunes (FLAC, 16/44.1)
  • Oregon – Oregon (FLAC 16/44.1)
  • Dizzy Gillespie – Dizzy’s Big 4 (FLAC 16/44.1)
  • Anne Ducros: Brother? Brother! (FLAC 24/44.1)
  • Bruce Katz Band: Transformation (FLAC 24/96)
  • Malaysian Philharmonic Orchestra, Claus Peter Flor: Dvořák, Symphony No. 7 (DSD)
  • Joël Grare, L’Ensemble Paris Istanbul Shanghai: Paris Istanbul Shanghai (FLAC 16/44.1)
  • Anima Eterna Brugge, Jos Van Immerseel: Poulenc – Œuvres pour clavier & orchestre (FLAC 24/44.1)
  • Badbadnotgood: IV (FLAC 24/96)
  • Feuerwerk für Orgel – Gerhard Oppelt an der großen Orgel der Lindenkirche Berlin Wilmersdorf (FLAC 16/44.1)
  • SWR Sinfonieorchester, Ernest Bour: Maurice Ravel – Le tombeau de Couperin (FLAC 16/44.1)
  • Bojan Z – Xenophonia (FLAC 16/44.1)

*[Warum da kein echtes High-End-Geschoss dabei ist? Ist ein anderes Thema – hat was mit persönlichen Ansichten zu tun. Bericht ist Arbeit.]

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Millett’s NuHybrid – (4) – Villa Lötfried

Am letzten Wochenende war es so weit:

3 Stunden dauert es, dann steht der Millett NuHybrid da und ist benutzbar. Was Sie brauchen, ist Sorgfalt beim Sortieren der Teile, Petes Anleitung, einen vernünftigen Lötkolben, Lötzinn, eine dritte Hand, gern mit Lupe, einen Saitenschneider, einen Uhrmacherschraubendreher und ein Digitalmultimeter. Was ich noch benutzt habe, ist eine Atemmaske, denn obwohl auf meinem neuen Lötzinn groß „halogenfrei“ steht und es auch deutlich weniger qualmt als mein altes – gesund fühlt sich das verdampfende Flussmittel irgendwie nicht an.

Die Rückseite ist nicht so schön geworden, aber meine Lötstellen werden mit der Zeit immer besser. Letztlich ist es zweitrangig – offensichtlich habe ich fehlerfrei gearbeitet. Ales funktioniert aus dem Stand. Beim ersten Messen des Ruhestroms habe ich mich gehörig erschreckt. 0 Volt? Was‘ denn das? Oh, ähm, die OpAmps vergessen einzustecken.

Dann am Abend mein erster Funktionstest, das klingt ja warm und butterweich. Die Nutube ist aber übelst mikrofonieanfällig. Nun ja – ein verklebtes Sandwich aus Aluplatten und Teichfolie ins Gehäuse montiert und schon steht die Kiste fest genug, um sich nicht vom Cinchkabel über den Tisch ziehen zu lassen.

Enttäuscht bin ich vom teuren Poti aus Japan. Das TKD brummt, wenn meine Hand in seine Nähe kommt. Und es kratzt. Am unteren sowie oberen Ende des Regelbereichs kommt noch ein Fauchen dazu. Das hab ich mir anders vorgestellt. Doch auch das lässt sich teilweise beheben: Eine Erdungsschelle hinter der Überwurfmutter und ein Stück Litze zum Massepol der LED. Dann ein paar Mal zügig am Regler gedreht. Schon ist Ruhe.

Den Tipp mit der Erdung des Potis finden Sie neben zahlreichen anderen wertvollen Hinweisen im Thread bei Head-Fi.org

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Röhrenschirmung DIY

Es ist schon ungemein praktisch, einen Frisör zum Freundeskreis zählen zu dürfen. Die 24mm-Lockenwickler passen perfekt um die drei 6N2P aus meiner Phonovorstufe zu beruhigen. Sie passen gerade so über die Röhren und sitzen auf der umlaufenden Nut des Keramiksockels auf. Kurzschlussgefahr besteht also nicht.

Rauscht weniger? Rauscht weniger.

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DIY, Elektronik

Millett’s NuHybrid – (1) – Bestellen

Am Sonntag ging ich noch davon aus, dass die Lieferung Tage, gar Wochen dauern würde. Es wäre mir recht gewesen. Am nächsten Wochenende finden in Hamburg die Norddeutschen Hifitage und die Hansespirit statt. Da wollte ich ganz sicher was anderes machen als am Lötkolben zu sitzen.

Nun sind die Jungs und Mädels bei Mouser.com aber von der schnellen Sorte. Heute war schon der Fedex-Mann da und brachte ein Paket voller pieksauber in Beutelchen abgezählter Teile mit Inventarliste zum Abhaken. Großartig!

Was zu Mouser.com noch zu sagen ist: Die Teilevielfalt empfinde ich als unglaublich. Es gibt eben nicht einfach nur Metallfilmwiderstände mit bestimmten Daten und Toleranzen – es gibt sie von zig Herstellern in den dollsten Bauformen, die ich beim ehrwürdigen Conrad noch nicht gesehen habe. Bei elektromechanischen Bauteilen wie Steckern und Buchsen wird diese Vielfalt dann aber schnell zum Fluch, denn nach den Symbolbildern kann man bei Mouser nicht gehen. Und die Suchfilter funktionieren auch nur so halbgut. Man wälzt Datenblätter, mehr als eigentlich nötig wären.

Wenn Sie also die volle Auswahl bei fairen Preisen brauchen, Teilelisten in Projekten verwalten wollen und viel Zeit zum Suchen haben, ist Mouser eine gute Wahl.

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HiFi, test

Erfahrungsbericht: Martion Bullfrog aktiv

Der Weg zum Ziel

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Seit ziemlich genau drei Jahren begleiten sie mich nun, meine “neuen” Lautsprecher. Das erscheint mir als ausreichend lang um mich einzuhören, Grenzen auszutesten und Stärken zu verorten. Und an Stärken haben sie jede Menge zu bieten, diese eigenwilligen Würfel, die, wenn man das Konzept dahinter begreift, gar nicht anders aussehen dürfen als ganz genau so!

In meinem Artikel widme ich mich aber nicht nur Martions Extrem-Monitor. Im Sinne einer konsequenten Kette betrachte ich auch die anderen Gerätschaften vor dem Lautsprecher – und die sind bis auf den Verstärker alle rein digital! Ja, auf dieser Spielwiese tummeln sich nicht nur die Linns und Backes & Müllers der Welt. Auch der Manufakturhersteller aus Berlin hat die konzeptionellen Vorteile der digitalen Kette für seine Art des Lautsprecherdesigns erkannt und setzt sie dermaßen überzeugend um, dass man (in diesem Falle ich) sich gar nicht mehr vorstellen kann auf andere Weise Musik aus der Konserve zu hören.


Mein erstes Zusammentreffen mit Heiner Basil Martion war 2010 in Hamburg. Damals saß er zwischen zwei kleinen silbernen röhrenförmigen Monitoren, die auf den Namen „Luzy“ hörten. Dazu gehörte ein Subwoofer mit dem vielsagenden Namen „i-Mer“. Ich wusste nicht, wer da saß und was dieser Mensch sonst schon über Jahrzehnte in der Hifi-Geschichte angestellt hatte. Allein die Namensgebung und die für Messeverhältnisse ungewöhnliche Musikauswahl verrieten, dass da jemand richtg viel Humor hatte.

Es gab keine esoterischen Erklärungen, keine Materialien aus der Raumfahrt, keine von japanischen Gurus im Mondschein freihandgelöteten Single-Ended-Preziosen. Luzy hatte sich PA-verstärkung aus der Disko mit nach Haus gegebracht und machte einfach ordentlich Musik.

In den drei Folgejahren wechselten meine heimischen Lautsprecher, ich sortierte mich neu (erst Dali, dann Sonics) und machte auf Messen viele schöne (Focal, Manger), einige lehrreiche (Grimm Audio) und bisweilen zwiespältige Hörerfahrungen. Naja, Hauptsache Erfahrungen, und zwar mit den eigenen Ohren. Die Folge waren bei mir drei Erkenntnisse:

  1. Den blumigen Behauptungen der gängigen Hifi-Presse kann ich kaum noch etwas abgewinnen.
  2. Mit der so oft suggerierten Relation aus höherem Preis und „besserem“ Klang stimmt was nicht.
  3. Ich mag da etwas intolerant erscheinen, aber einige Lautsprecher-Konstuktionen klingen prinzipbedingt schon übel – die Überarbeitung in der x-ten Generation und Preisschilder im Bereich halber/ganzer Jahresgehälter ändern daran nun mal nichts.

Die Situation kennen wir alle: Erfahrungen in einem dermaßen individualisierten Markt wie dem für Lautsprecher bringen erstmal nur die Erkenntnis, was man alles nicht will. Und trotz dieser demotivierenden Ausgangslage ist der gemeine HiFi-Abhängige ständig auf der Suche – es ist essentieller Bestandteil des Spiels. Also dienen die Artikel in Audio, Image Hifi, LP und Co. nurmehr der Orientierung. Das eigentliche Jagdrevier nach der Kette, die einfach mal alles richtig macht sind dann Messen, Händler- und Privatvorführungen und die DIY-Veranstaltungen.

Meine Jagd dauerte bis zur HighEnd 2013 . Ich hatte zwei anstrengende Messetage hinter mir, so viel belangslose Musik, so viele mediokre Technik, so viel Vertrieb, so wenig Kultur. Und dann landete ich „zum Ausruhen“ bei Basil Martion. Er spielte mit den Bullfrog, abseits des Messetrubels. Wir hörten aus Schostakowitschs Sinfonie Nr.14 das „De Profundis“. Ich war angekommen.

Das Produkt – Teil 1: Der Lautsprecher

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Was ist diese Bullfrog eigentlich? Ein aktives Koaxial-Horn? Ein Zwei-Wege-Kompakt-Monitor mit Raumanpassung? Eine digital gefilterte High-End-PA? Alles richtig – auf jeden Fall haben wir im Hochton ein Horn!

Der Hornmund misst satte 29 Zentimeter, vergrößert um einen der beiden charakteristischen konzentrischen Alu-Ringe, deren äußerer den mächtigen 15-Zöller umschließt. Der 1,5-Zoll-Durckkammertreiber des Koax-Gespanns spielt durch die Polkernbohrung des Tieftöners. Das Horn verdeckt den weich eingespannten und zusätzlich bedämpften 38er fast vollständig. Die Chassis-Technik hat unbestreitbare PA-Gene und ist zu pathologischen Pegel-Orgien fähig, aber das ist nicht der Grund, der Martion bewogen hat, auf dieses Chassis zu setzen.
Bekanntlich gab es zur aktiven Bullfrog einen passiven Vorgänger, seines Zeichens ein echtes Kultobjekt, das nicht mehr gebaut werden konnte, als der Hersteller des Bass-Treibers das Zeitliche segnete. Das einzige Produkt, das Martion nach langer Suche klanglich und technisch dazu überzeugen konnte, als Rohmaterial herzuhalten, war nun mal dieser PA-Treiber.

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Schnell war aber auch klar, dass sich damit keine Neuauflage der alten Bullfrog würde realisieren lassen. Alle notwenigen Anpassungen des alten Konzeptes machen jetzt die neue Bullfrog aus: Gleiches Gehäuse aber aktiv, digital gefiltert,mit 4 Verstärkerzweigen. Die konzentrische Ringe sind tatsächlich konkav gefräst und sitzen nicht auf sondern vor (!) der Schallwand. Zusammen mit den roten Nasen im Zenttrum des Horns optimieren sie Wirkungsgrad und Abstrahlverhalten. Form folgt Funktion.

Nach einige Jahren an Erfahrung mit dem neuen Kind und brachte Martion dann schließlich noch eine passive Version der Bullfrog heraus – aber das ist eine andere Geschichte. Sie erzählt aber vor allem eines: Jeder Kunde soll bei Martion das Konzept bekommen, das zu ihm passt.

Das Produkt – Teil 2: Gehäuse und Ständer

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Seit der Ur-Bullfrog – bei der es der Legenda nach zunächst nur darum ging, eine hochwertige Party-PA in den Kofferraum eines VW Golf zu bekommen – also seit dieser Ur-Bullfrog hat sich am Gehäuse sebst kaum etwas geändert. Die ursprüngliche Form eine Würfels mit 45cm Kantenläge, hergestellt aus Birken-Multiplex, ist gleich geblieben. Auch die markanten Fasen, die das Wandmaterial viel massiver erscheinen lassen, wurden beibehalten. Im Innern gibt es zum Ausgleich einiges an Verstrebungen – der Würfel hält was aus. Muss er auch, denn schließlich handelt es sich um ein geschlossenes System, das bis 120 dB noch sauber repoduzieren soll. Inklusive Chassis wiegt eine solche Kiste 23 KG.

Was die Oberflächen betrifft, so hat der Kunde die Qual der Wahl – Martions Schreiner liefert jede Farbe, gegen Aufpreis auch Hochglanz. Meine Exemplare sind seidenmatt weiß – die Birkemaserung schimmert dabei leicht durch – ein so schönes Material braucht man nicht zu verleugnen. Für einen Kunden in Australien wurden 2012/2013 Exemplare in Hochglanz Grau gefertigt – auch das sieht meiner bescheidenen Meinung nach sehr lecker aus.

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Wenn auch optional und gegen Aufpreis, so gehört der sangefüllte Ständer doch zum physikalischen Konzept. Er wiegt in etwa so viel wie der zu tragende Lautsprecher und ist mit diesem starr über eine massive Gewindestange verschraubt.Die starre Verbindung überträgt alle überschüssige Gehäuse-Energie auf den Ständer und damit auf den Sand, der im Innern seine Arbeit tut, indem er Bewegung in Wärme umsetzt. Alles was hier noch nicht umgewandelt werden kann, läuft in den runden Standfuß. Dieser entkoppelt über eine Art Sub-Chassis die Bullfrog vom Boden.

Die Rückseite kommt eher schmucklos daher: Eine Schraube (sie hält den Treiber auf Zug im Gehäuse) und eine 4-polige Speakon-Buchse, fertig!

Das Produkt – Teil 2: Die Elektronik (Variante 2014 und 2017)

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Die steuernde und treibende Elektronik meiner ersten Version war zweiteilig und konnte ihre Herkunft aus der Profi Ecke nicht verheimlichen. Martions Elektronik-Entwickler Christian Schulz-Kressin verwendete dazu das Grundgerüst einer 1600-Watt-PA-Endstufe. Deren Vorzüge sind kurz genannt: Class-AB-Verstärker, kein Schaltnetzteil, Stahlgehäuse mit Platz für Einbauten, betriebssicher, günstig. In einer doch recht aufwändigen Operation wird das 20 -Kilo-Trumm von allen fragwürdigen Bestandteilen wie Eingangsbuchsen, Reglern, Limiter und Lautsprecherklemmen befreit – in der Tat fliegt die ganze Eingangsstufe raus. Was bleibt, ist eine 2-Kanal-Leistunsgverstärker und das Netzteil mit geradezu monströsem Ringerkerntrafo. Die Endstufe wird auf 2x 350 Watt limitiert und darf die beiden Bässe füttern. Aus 2-Kanal wird außerdem noch 4-Kanal, es kommt ein eigens von Schulz-Kressin entwickletes Modul mit 2x 10 Watt Class A und eigenem Netzteil zusätzlich ins proppenvolle Gehäuse: Feinkost für die Hörner.

Auch das DSP hat vor der Hochzeit eine Schönheitsoperation hinter sich gebracht: Die Ausgangsstufe hat nunmehr einen funkfernbedienbaren Lautstärkeregler und ein proprietäres Signalkabel, im Bild als grauer Strang gut zu erkennen. Es gibnt Knöpfe, aber alle Einstellungen erfolgen komfortabler per Konfigurations-Software über USB.

Beide Teile werden bombenfest verschraubt und stehen jetzt hochkant (Konvektionskühlung) in einer Ecke meines Wohnzimmers. Meine Frau ist von der Erscheinung diese schwarzen Trumms nicht begeistert – die Fernbedienbarkeit per Funk und lange Kabel können hier aber Abhilfe bringen.

Noch etwas zum Verstärker: Es gibt zwei Gehäuselüfter, die Martion nicht stilllegen wollte. Betriebssicherheit geht vor. Doch die Konvektionskühlung funktioniert bei üblichen Hörlautstärken auch im Hochsommer so effektiv, dass ich die beiden Ventilatoren noch nie in Aktion erleben konnte. Trotzdem gibt es eine minimale Geräuschemission – der 1,2KW Ringkerntrafo ist nicht ganz brummfrei und teilt sich wegen der Nähe zu den Class-A-Endstufen auch über die Druckkammertreiber mit. Mit dem Ohr direkt am Lautsprecher und ohne Musiksignal ist ein leises Britzeln zu hören. Mit Musik spielt das dann keine Rolle mehr.

Mittlerweile (2017) habe ich der Elektronik ein Upgrade gegönnt – der Verstärker ist geblieben, obwohl Herr Martion jetzt eine Variante aus Hypex-Modulen anbietet. Der alte Recke klingt einfach zu gut. Nein, das Monacor-DSP musste einem MiniDSP weichen. High-Resolution-Audio, bessere Wandler, mehr Eingänge, schickeres Gehäuse, das waren überzeugende Argumente.

Kleiner Exkurs: Meine Wiedergabekette

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Ich bin Squeezebox-Fan der ersten Stunde, an den Server bin ich gewöhnt, seine Vorzüge hinsichtlich Konfigurierbarkeit und Performanz konnte mir kein anders System glaubhaft bieten. Drum war ich auch extrem sauer auf Logitech, die sich erdreisteten, Squeezebox-erfinder SlimDevices zu kaufen um ihn 2012 sterben zu lassen. Rettung nahte durch den Raspberry, der sich als wahre Universallösung anbot. Die von Hobbyisten entwickelte Mini-Distribution PiCorePlayer emuliert einen „Squeezebox-Receiver“ auf dem Raspberry und versorgt seit Jahren höchst zuverlässig meine vier Wiedergabeketten. HighRes, DSD, DXD, alles über WLAN – das funktioniert hervorragend, lassen Sie sich nix erzählen.

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Hier sehen Sie den aktuellen Raspberry 3 mit HifiBerry Digi+ im Stahlgehäuse. Die Signalübergabe erfolgt intern komplett störungsfrei per I2S.

Mein erster Bullfrog-Raspi ist darüber abgebildet. Seinerzeit nutzte ich noch ein M2Tech HiFace2, das über ein schlichtes SPDIF-Kabel von Cordial direkt ins DSP führte. Ganz nebenbei ist die USB-Verbindung in audiophiler Hinsicht beim Raspberry nicht die beste Wahl zumal am USB immer auch die Netzwerkschnittstelle hängt. Eine weitere Einschränkung bestand darin, dass das Monacor-DSP aus der Erstausstattung nur mit 48kHZ Samplig-Frequenz arbeitet und höhere Raten am Eingang nicht mal erkennt. Aus dieser Zeit stammt auch noch der Sample Rate Converter von Behringer, der mit guten Augen auch im Titelfoto zu erkennen ist. Meine umfangreiche Sammlung an DSD und High-Res-Aufnahmen musste bei dieser Konstruktion vom Raspberry on-the-fly erstmal auf 24/96 resampelt werden. Das brachte mir zwar gute Kenntnisse in der Filterkonfiguration mit der SOX-Library ein, hatte aber auch immer den Beigeschmack nicht so ganz die reine Lehre zu sein.

Mittlerweile (Stand Februar 2017) ist ein MiniDSP eingezogen. Und damit sind am Eingang bis zu 192kHz und intern reale 96kHz möglich. DSD muss weiterhin in PCM gewandelt werden. Das ist bei allen DSPs auf der ganzen Welt so. Und dann ist da ja noch der Mutec-Reclocker, auf den ich nicht mehr verzichten mag. Aktuell sieht die Kette nun so aus:

Server –WLAN–> Raspberry mit HifiBerry Digi+ –SPDIF–> Mutec MC-3+ Reclocker –AES/EBU–> MiniDSP –Orgon-Blue(analog)–> 4-Kanal-Endstufe

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Aufstellung, Raumanpassung und alltägliche Praxis

Martions Service besteht darin, dass die Systeme in der Regel auf die räumlichen und geschmacklichen Rahmenbedingungen des Kunden angepasst werden. Dabei kommen Jahrzehnte an Erfahrung und viele kleine Geheimnisse zum Tragen, Messtechnik ist nicht alles. Letztlich funktioniert die Bullfrog dank aktiver Entzerrung und Punktschallquelle in kleinen wie großen Räume, auch in komplizierten und halligen Situationen, sie klingt sogar bei wandnaher Aufstellung und besonders gut in Einfamilienhäusern auf dem Land. Für die Toleranz meiner Nachbarn kann ich mich nicht oft genug bedanken.

Mein Wohnzimmer misst knapp unter 20 Quadratmeter, hat eine verglaste Fensterfront und Holzfußboden. Die Lautsprecher stehen nicht symmetrisch im Raum. Dazu gibt es zwei nah beieinander liegende Raummoden. Von all dem ist nichts zu hören, was einerseits ein Segen ist, andererseits ein Fluch: Wiedergabesysteme ohne Raumanpassung mag ich mir kaum noch anhören.

Klangliche Eigenschaften

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Wie klingt sie denn nun? Beim ersten Kontakt fällt den meisten Hörern auf, dass es Spaß macht und sowohl spannend als auch entspannend ist, ihr zuzuhören. Damit unterscheidet sie sich gravierend von vielen Studiomonitoren, die zwar ebenso die Langzeittauglichkeit im Pflichtenheft stehen haben, bei denen aber allzuoft der Spaß zu kurz kommt. Die alte Bullfrog soll in der Spaß-Frage bisweilen etwas unzivilisiert agiert und lieber drei Kohlen mehr ins Feuer geschmissen haben. Nicht so die Neue – Kammermusik auf Flüsterpegel kann sie ebenso wie großes Orchester.

Martions Zauberwürfel ist klanglich neutral (wenn der Kunde es will) und verfärbungsfrei. Das merkt man vor allem bei Stimmen und Streichinstrumenten. Der Bass geht tief und ist extrem kontrolliert und präzise. Sie spielt unglaublich schnell, gerade im Bass. Optimierte Zeitrichtigkeit und die Punktschallquelle sorgen für einen tiefen wie präzise gezeichneten Raum, wobei hier die Präzision durch den Wechsel auf das MiniDSP noch deutlich gewonnen hat. Insgesamt zeichnet sich die Bullfrog durch eine gute Auflösungsfähigkeit aus. So knallt sie einem die Details nicht um die Ohren – sie sind wie selbstverständlich da. Bei all dem bleibt dieser Lautsprecher doch ein Horn: Impulse und Transienten haben Erschrecker-Potenzial, wenn die Aufnahme es so meint. Wenn nicht, dann nicht. Sie ist in dieser Beziehung etwas zahmer als Martions Einhorn, dessen konkurrenzlose Direktheit andere Raumgrößen und andere Geschmäcker anspricht.

Sie können hören, wenn sich Sänger vor dem Mikrofon um nur wenige Zentimeter bewegen (ja klar, nur bei Stimmenaufnahmen in Stereo) und Sie hören, ob Ihre Aufnahmen etwas taugen. Sie hören, ob jemand wirklich musiziert oder nur gute Produzenten hat. Sie hören Musik und denken nicht mehr über Technik nach.

Fazit

Auch nach drei Jahren kann ich nichts anderes schreiben, als dass ich mit der Bullfrog angekommen bin. Sie nimmt mir etwas den Spieltrieb, aber für so etwas hat man ja eine Zweit-Anlage mit Tonabnehmern, Cinch-Kabeln und Röhren zum Umstöpseln.

Die Bullfrog transportiert Emotion und musikalische Wahrheiten wie kein anderes System in dieser Preisklasse und ist in ihrer Anpassbarkeit konkurrenzlos. Nebenbei lernt man bei der Beratung einen tollen Menschen kennen und hört spannende Musik. Martion ist so gesehen eine Erfahrung – auf die ich nicht mehr verzichten mag.

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Wie kaufe ich eine Stereoanlage für 3000€ – Teil 2

 Empfehlungen zur Stereoanlage, Teil 2: Händler und Probehören

1. Vorbereitung und Einstieg

Du solltest auf jeden Fall mehrere Termine bei verschiedenen Händlern wahrnehmen.

HiFi-Händler haben außerdem immer nur einen Ausschnitt aus dem Markt im Angebot, kommt darauf an, mit welchen Vertrieben sie zusammenarbeiten. Wenn Du also einen Lautsprecher von Triangle mit einem von DALI vergleichen möchtest, kann es sein, dass Du in Deiner Stadt keinen Händler findest, der beide im Angebot hat. Die Einschränkung hat aber auch was für sich: Ein kleineres Portfolio spricht eher dafür, dass der Händler nach Überzeugung entscheidet und seine Produkte wirklich kennt, schätzt und einschätzen kann.

Schildere, was Du suchst und lass Dich mal darauf ein, und höre auf dein Bauchgefühl. Hat man Dich ernstgenommen? Hat man Dir zugehört?

Ein guter Händler fragt, was Du für einen Raum beschallen möchtest und ob Du schon was Bestimmtes im Auge hast. Und ja, er fragt auch, wie viel Geld Du ausgeben möchtest. Das ist notwendig.

Erst Idee zur Investition: 1000€ für die Elektronik, bis 1800€ für die Lautsprecher, 150€ für Kabel. Wenn man Dir dafür nichts anbieten kann/möchte, geh wieder.

Wenn man Dir Zubehör für mehr als 10% der Gesamtsumme verkaufen möchte, lehne ab.

Wenn man Dir Steckerleisten und Stromkabel anbietet, lehne ab.

Wenn man Dir Produkte anbietet, die Du nicht verstehst, lass Sie Dir vorführen.

2. Hören

Unser akustisches Gedächtnis ist tückisch, von einer Hörerfahrung zur nächsten reduziert sich unsere Erinnerung auf wenige Kernpunkte, überhöht diese und determiniert damit die nächste Hörerfahrung. Notizen machen kann helfen. Ansonsten hilft es nur, nach Modell A, B und C nochmal A anzuhören. Überraschung garantiert.

Sieh Dir den Vorführ-Raum des Händlers mal genauer an: Ist das größentechnisch und akustisch überhaupt mit Deinem Wohnzimmer überhaupt vergleichbar? Wenn nicht, kannst Du Deinen Favoriten auch zu Hause testen?

Nimm eigene CDs mit, die Du gut kennst: Große Besetzung, kleine Besetzung, menschliche Stimme, etwas mit viel Dynamik, etwas mit klaren Rauminformationen, etwas mit vielen Details und auch etwas mit extremem Bass.

Nimm Dir Zeit. Du gibst vielleicht ein paar Tausend Euro aus. Glaube mir – nachher zu Hause zu sitzen und der Zweifel kriecht in Dir hoch – das ist das Gegenteil des Gefühls, das Du gesucht hast.

3. Reden und Zuhören

Sei kritisch – hörst Du wirlich oder meinst Du hören zu können, was Dir der Verkäufer suggeriert. Das ist ein schwieriges Umfeld: Wenn der Fachhändler die Aufnahme kennt und dazu die Stärken wie Schwächen seiner Produkte, dann weist er natürlich gezielt auf einzelne Aspekte hin. Das ist alles in Ordnung, so lange es um Hörerfahrungen geht.

Es gibt Händler, Die Ihre Kunden einfach mal für ne halbe Stunde allein lassen. Sie beeinflussen in dieser Zeit mal gar nicht. Das ist großartig und viel zu selten.

Die Lebensgeschichte und die Überzeugungen der Entwickler, die Philosophie von Anbietern, die vermeintliche Exklusivität, technische Eigenständigkeit oder auch die besonders ausgeprägte Fertigungstiefe von Herstellern sind nette Geschichten, sie sind Verkaufsmasche – noch lange kein Klang. Natürlich macht es Spaß sich mit Insidern über Genies und ihre Schöpfungen auszutauschen. Superseltene Röhren, abgefahrene Schaltungskniffe und Bedienkonzepte, die auf den ersten Blick total schräg wirken, teure Materialien, am besten aus der Raumfahrt, aufwendige Verarbeitung, das kann alles sehr unterhaltsam sein und helfen, sich mit einem Produkt anzufreunden. Diese Vortragsart kann aber auch manipulativ eingesetzt werden. Schließlich möchte der Proband – sorry  – der Kunde nicht so gern zugeben, dass er die rhodinierten WBT-Buchsen allein im Hörtest nicht von Gold und Kupfer unterscheiden könnte. Sie sind halt am doppelt so teuren Lautsprecher dran und damit Teil seiner „Geschichte“.

4. Fazit

Wenn Sie nun nach dem Lesen denken, HiFi-Händler seien schlimme, manipulative Verticker, die einem nur die Argumentationsketten der Vertriebe vorbeten, dann ist das natürlich ein falscher Eindruck. Die allermeisten sind fachkundig, haben Überzeugungen und wollen, dass die Leute zu Hause besser Musik hören. Das kann gar nichts Schlechtes sein.

Sie betreiben ein Gewerbe, von dem es im Gegensatz zu Drogerien nicht an jeder Ecke ein Ladengeschäft gibt. Der Wirkungskreis ist also groß. Sie verkaufen Produkte, deren Preisgestaltung sich oft erst beim genauen Hinsehen erschließt. Und sie haben in der Regel viele Jahre Erfahrung, so dass auch die eigenen Ansprüche recht hoch sind. In der Konsequenz und bezogen auf Informationsaustausch im Internet bedeutet das, dass viele Menschen zu den wenigen Händlern eine Meinung haben. Es bedeutet auch, dass man nicht jedem Menschen vermitteln kann, wozu es Vollverstärker für 10.000 Euro gibt. Und letztlich führt das dazu, dass im Netz viele Händler als arrogant, überheblich, abgehoben oder anmaßend beschrieben werden. Das ist oft genug ein Missverständnis, dem man nur beikommt, wenn man einfach mal hingeht und sich beraten lässt.

 

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Wie kaufe ich eine Stereoanlage für 3000€

Ein Freund fragte mich neulich um Rat: Eine neue Steroanlage sollte her. Ganz klassisch mit CD-Player, Verstärker und Lautsprechern. Der gute Mann hat einen äußerst vielfältigen Musikgeschmack von spätromantischer Sinfonik über Jazz bis Metal. Das spricht für eine Allround-Abstimmung mit besonderem Sinn für Dynamik.  Da auch die Wohnumgebung guter moderner Durchschnitt ist, bot es sich an, den abgelieferten Ratschlag zum „Guide“ auszuweiten. Für alle zur Diskussion, für Widerworte, Zustimmung, Befolgung oder Umorientierung.

Empfehlungen zur Stereoanlage, Teil 1: Grundsätzliche Erwägungen

Nachdem ich zahllose Tests gelesen und Hörberichte studiert habe, speichere ich mal aus, was ich so gefunden habe. Natürlich ist das alles subjektiv gefärbt: die meisten Produkte, über die ich gleich schreibe, habe ich schon gehört, zumindest habe ich Messe-Erfahrungen mit den Herstellern. Das mag manchmal ungerecht sein, angesichts der enormen Vielfalt und Unübersichtlichkeit im Markt sind solche Pauschalurteile über den ein oder anderen Anbieter aber ganz nützlich. So wird es von mir an dieser Stelle keine Empfehlung zu Lautsprechern von Magnat, Tannoy, KEF oder Epos hören. Ich habe von allen mal Produkte hören dürfen, die so abschreckend waren, dass ich sie für weitere Hörproben nicht mehr in Erwägung ziehen würde – schade um die Zeit.

Um dem ganzen etwas Systematik zu geben, stelle ich in diesem ersten Teil grundsätzliche Möglichkeiten vor:

1. „Klassische“ Stereoanlage mit CD-Player, Vollverstärker und passiver Lausprecher

Wenn man Herstellern und der Presse glaubt, ist das das Auslaufmodel der HiFi-Geschichte. Im Augenblick dominieren Vinyl, Streaming und „intelligente“ Konzepte mit App-Bedienung. Überzeugend vor allem die Möglichkeit in optimaler Qualität über USB z.B. vom PC abzuspielen. Das ist für HiFi eine schöne neuen Welt, hinsichtlich Beratung aber eine ganz andere Spielwiese mit ganz neuen Problemen. Dazu werde ich hier nichts weiter schreiben. Ich selbst habe keinen CD-Player mehr und höre vom Streaming-Server, weiß aber auch, welche Schwierigkeiten das mit sich bringen kann und wie viel Zeit man verbrät um diese zu lösen.
Nein, es ist gut, wenn man erstmal bei der CD bleiben möchte. Und zum Glück gibt es in der „klassischen“ Stereo-Geräte-Kombination immer noch die größte Auswahl.

Vorteile

  • bewährte Technik
  • große Auswahl am Markt
  • keine Computerprobleme
  • alle Komponenten austauschbar
  • Tuning-Möglichkeit mit Kabeln
  • gute Erweiterbarkeit durch Anschlüsse am Vollverstärker
  • wachsende Zahl von Playern mit Digital-Inputs

Nachteile

  • Tuning-Möglichkeit mit Kabeln 😉
  • große Auswahl am Markt
  • Raumakustik nur passiv oder durch Aufstellung oder Tausch der Lautsprecher beeinflussbar
  • „echte“ CD-Laufwerke z.B. von Stream unlimited oder TEAC sind richtig teuer

Der Voodoo-Zirkus um die CD (90er Jahre) wirkt bei manchen Händlern immer noch nach

2. CD-Player mit Vorstufe und Aktiv-Lautsprecher

In „normalen“ passiven Lautsprechern befindet sich ein mehr oder weniger komplexes Bauteil, die Frequenzweiche. Sie erhält die Signale vom Verstärker und teilt sie je nach Frequenzbereich auf Hoch-, Mittel- und Tieftöner auf (Wege oder Zweige). So erhält jedes Lautsprecherchassis die Teile des Musiksignals, die es unter den physikalischen Rahmenbedingungen seinerselbst und des Gehäuses am besten wiedergeben kann. So macht man das seit 100 Jahren. Es gibt in der Hinsicht viel Erfahrung, es gibt auch mindestens so viele Philosphien wie Entwickler. End es gibt die Erkenntnis, dass es nicht sonderlich effizient und auf keinen Fall sehr flexibel ist, die Abstimmung hinter der Leistungsverstärkung unveränderlich in den Lautsprecher einzubauen

Aktive Lautsprecher teilen die Frequenzen vor der Verstärkung auf. Jeder Lautsprecherzweig hat danach seinen eigenen Verstärker, der in einem beschränkten Frequenzbereich optimal für „sein“ Lautsprecherchassis arbeitet. Diese Verstärker sind oft in den Lautsprecher eingebaut. Netter Nebeneffekt: Es steht weniger Zeug in der Wohnung herum. Das Konzept an sich hat ein paar Vor- und auch ein paar wenige Nachteile. In den letzten Jahren machen aktive Konzepte eine ziemlich gute Entwicklung, indem die Hersteller den Lautsprecher an sich zur digitalen Schaltzentrale aufbohren. So haben z.B. die XEO-Modelle von Dynaudio eine kabelllose Anschlussmöglichkeit, eine eigene Lautstärkeregelung und Digitaleingänge.

Vorteile

  • Einstellmöglichkeiten am Lautsprecher
  • Anpassung der Frequenzbereiche an den persönlichen Geschmack
  • Anpassung an sich ändernde oder schwierige Räume
  • keine klangliche Beeinflussung durch Lautsprecherkabel
  • kein separater Verstärker notwendig
  • bestes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • immer mehr Produkte mit digitalen Anschlüssen, Lautstärkeregelung, Fernbedienung und Drahtlos-Option
  • wenn digitale Eingänge vorhanden sind, kann man beim CD-Player außerdem viel Geld sparen

Nachteile

  • Durch integrierte Elektronik etwas teurer
  • Lautsprecher brauchen einen Stromanschluss
  • Ohne fernbedienbare Lautstärkeregelung braucht man einen Vorverstärker
  • keine Spielwiese mehr für Lautsprecherkabel
  • weniger Auswahl am Markt

Zuletzt noch ein Nachteil, den ich nicht verschweigen will: Es gab und gibt bei aktiv/passiv eine Lagerbildung, auch unter den HiFi-Händlern. Aktiv-Lautsprecher erfordern eingehende Beschäftigung und Erfahrung, bieten aber weniger Spielraum für Zusatzverkäufe. Das führt dazu, dass einige Händler das Theam immer noch etwas stiefmütterlich behandeln und auch oft wenig Ahnung haben. Die kleinere Auswahl am Markt kann außerdem zurfolge haben, dass die verdutzte Interessentin erst ein Modell für 1500€ und gleich danach eines für 50.000€ vorgestellt bekommt – ganz einfach, weil der Händler dazwischen nichts anbieten kann.
Trotz all des Gesagten lohnt sich die Beschäftigung mit Aktiv-Lautsprechern unbedingt. Ich selbst sehe es pragmatisch und habe sowohl ein aktives als auch ein passives Konzept bei mir stehen 🙂

3. All in One

Ja, es gibt sie noch, die integrierten Lösungen mit CD-Player, Vorstufe und Leitungsverstärker in einem. Ich meine damit nicht etwa die Kompaktanlage vom Tchibo sondern eher so etwas hier https://www.naimaudio.com/de/product/naimuniti-2

Das ist ein Beispiel für eine hochwertige Lösung, die allerdings auch 5000€ kostet. Keine Sorge, das geht auch günstiger, so ab 600€ geht es los. Diese Gerätegattung verkauft sich zur Zeit wie verrückt. Die Leute wollen keine Kabel und keine Gerätetürme sondern Spotify über WLAN hören, Musik vom Handy über Bluetooth abspielen und das ganze vom Tablet oder Handy aus steuern. Daneben sollen bei der Klangqualität keine Abstriche gemacht werden. Braucht noch ein paar patente Lautsprecher und -Kabel, fertig!

Vorteile

  • Aufgeräumtes Wohnzimmer
  • integrierte Komponenten sind aufeinander abgestimmt
  • schickes Design
  • wenige Kabel
  • in der Regel zukunftssicher durch Streaming-Optionen oder digitale Eingänge
  • Alles wird über eine App gesteuert
  • ziemlich Voodoo-freie Zone

Nachteile

  • Wenn es gut klingen soll, wird’s richtig teuer
  • Geräte mit Upgrade-Möglichkeiten sind ebenfalls sehr teuer
  • Abhängigkeit von den Software-Updates der Hersteller

Soviel zu den grundlegenden Konzepten. Weiter geht es im nächsten Beitrag mit dem Unterfangen einen Händler des Vertrauens zu finden und Hörtermine wahrzunehmen.

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HiFi

Teaser: Hörbericht zur Martion Bullfrog aktiv

bullfrogSeit einem Jahr begleiten sie mich nun, meine „neuen“ Lautsprecher. Ein Jahr ist eine gute Zeit um sich einzuhören, Grenzen auszutesten und Stärken zu verorten. Und an Stärken haben sie jede Menge zu bieten, diese eigenwilligen Würfel, die, wenn man das Konzept dahinter begreift, gar nicht anders aussehen dürfen als ganz genau so!

In meinem Artikel widme ich mich aber nicht nur Martions Extrem-Monitor. Im Sinne einer konsequenten Kette betrachte ich auch die anderen Gerätschaften vor dem Lautsprecher – und die sind bis auf den Verstärker rein digital! Ja, auf dieser Spielwiese tummeln sich nicht nur die Linns und Backes & Müllers der Welt. Auch der Manufakturhersteller aus Berlin hat die konzeptionellen Vorteile der digitalen Kette für seine Art des Lautsprecherdesigns erkannt und setzt sie dermaßen überzeugend um, dass man (in diesem Falle ich) sich gar nicht mehr vorstellen kann auf andere Weise Musik aus der Konserve zu hören.

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