Fotografie, kunst, vintage

Geliebtes „Adlerauge“

take a break, 2021 X-Pro3, Zeiss Tessar 2,8/50mm

Das Zeiss Alu-Tessar aus den späten 50ern macht mir immer wieder Freude. So organisch, so weich in den Kontrasten und ausgewogen in jeder Beziehung… In Kombination mit dem Kodachrome64-Rezept fühle ich mich der Malerei schon ziemlich nah. Zumindest beflügelt mich die Illusion, eines Tages nach vielen Jahren der Übung Fotografie mit der Ästhetik eines Eugen Dücker (hier ein Beispiel bei Doroteum.com) betreiben zu können. Man braucht ja Ziele…

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Endes des Winterschlafs – Teil 1: Das Pentacon 3.5/30mm

Langsam wäre es eigentlich Zeit für die „Summer-Works“. Aber meine jahreszeitlich inspirierte Bilderserie erfährt erstmal eine kleine Pause. Draußen regnet es in Strömen, ich habe Urlaub und suche in Corona-Zeiten nach Zerstreuung. Wie in meinem letzten Beitrag schon leise angekündigt, beschäftige ich mich aktuell recht intensiv mit alten Objektiven.

Gemeint sind solche Linsen, die für mechanische Kameras der 50er bis 80er Jahre gebaut und zum größten Teil vor dem zweiten Weltkrieg entwickelt wurden. Die meisten Objektive, um die es hier in den nächsten Artikeln gehen wird, sind Erbstücke aus DDR-Produktion. Mit ihnen hat mein Großvater fotografiert, dann mein Vater, und auch ich selbst habe durch dieses Glas fotografieren gelernt.  Angefangen habe ich mit 12 Jahren, die erste Kamera war eine Ihagee Exa 1a. Seit dieser Zeit begleiteten mich Tessar, Sonnar und Lydith durch die Welt. Allerdings weniger aktiv als es sich jetzt anhört. Die Ära der rein mechanischen Kameras schien bereits in meiner Jugend vorbei zu sein.

1997 kam ich günstig an meine erste EOS, die EXA und meine Exakta Varex landeten daraufhin mit allen Objektiven im Schrank.  2005 kaufte ich die erste digitale SLR. Seit 2014 ist mein Zeug spiegellos und von Fuiji. Die alten Objektive lagerten über all die Jahre im schweinsledernen Koffer, zogen mehrmals in neue Städte und Behausungen um und warteten geduldig auf bessere Zeiten. Diese Zeit scheint jetzt zu sein, denn dank der kurzen Auflagemaße u und der WYSIWYG-Philisophie der spiegellosen Systemkameras ist das Arbeiten mit manuellen Objektiven deutlich handlicher und schneller geworden. Und so schließe ich mich dem Trend etwas verspätet noch an und starte eine kleine Serie, in der ich die Schätzchen der Reihe nach an der Systemkamera teste, beschreibe und mal wieder nach Lust und Laune ausprobiere – immer im Vergleich mit ihren alten Geschwistern und den modernen Nachkommen von Fuji.

Alt und Jung in friedlicher Eintracht beisammen. Heute geht es um das kleine Schwarze ganz vorn.

Allgemeines

Mein heutiger Kandidat trägt eigentlich den Namen „Pentacon 3.5/30mm“. Entstanden ist er aber als „Meyer Lydith 3.5/30mm“. Es mag meiner Eitelkeit geschuldet sein, aber ich finde den Namen „Pentacon“ irgendwie schmucklos. Er trägt diesen Beigeschmack des Kombinats, dem nach und nach fast alle kleineren Betriebe in der DDR zugeschlagen wurden. Aber auch in der Jetzt-Zeit fühlt sich der Name „Lydith“ wertiger an, wo es doch seit einiger Zeit wieder einen modernen Nachbau gibt (der optisch übrigens gegenüber dem Original nicht verändert worden sein soll). Wenn man micht fragt und wenn die Ergebnise unten anschaue, dann finde ich bei dieser Neuinterpretation vor allem eines – ich finde sie zu teuer. Falls sich aber jemand wundert, warum in den EXIF-Daten „Lydith“ steht. Ich bin ein bisschen snobistisch veranlagt…

Das 30er ist am APS-C-Sensor eine Normalbrennweite, da passt es gut, dass das Pentacon klein und leicht ist. Entwickelt und gebaut wurde es zu Beginn der 60er Jahre bei Meyer Optik Görlitz, jedoch nicht ohne Vorarbeiten: Es gab nach dem zweiten Weltkrieg schon einmal einen Fünf-Linser bei Meyer, der ebenfalls zu den leichten Weitwinkeln gezählt werden kann, das Heliopan 40. Unter neuem Namen „Pentacon“ wurde es schließlich ab 1971 in hohen Stückzahlen bis 1990 gebaut. Verfügbar sind verschiedene Anschlüsse, bekannt sind mir Praktica B, M42 und Exakta. Ein passendes und gut erhaltenes Exemplar bekommt man bei ebay für 30 bis 40 Euro. Wir fassen also zuammen:

  • EXA- / Exakta-Anschluss
  • 5 Elemente in 5 Gruppen
  • Vorwahlblende
  • Naheinstellgrenze ca. 35cm
  • Filtergewinde M49
  • Vollmetall-Fassung, Gewicht 176g

Kleines Testzenario

Ich habe einfach mal den Blick in meinen Garten als Testszenario gewählt. Das mag nicht der professionellste Ansatz sein, aber ich bin halt kein professioneller Tester. Dafür habe ich die Möglichkeit, in meinem Garten mit meinem Vogelhaus und Nachbars Geräteschuppen notfalls über Jahre das gleiche Testszenario zu stellen. Zumindest kann man damit Schärfe, Unschärfe, Tiefenwirkung, Kontrast, Farben, Helligkeitsverteilung und Farbsäume beurteilen. Mir reicht das.

Grundsätzlich stelle ich also alle kommenden Objektiv-Kandidaten auf das Vogelhaus ein und fotografiere alle ganzen Blendenstufen einmal durch. Die Kamera (X-Pro3) wird dabei immer so eingestellt:

  • Mechanischer Verschluss
  • Stativ
  • ISO 640 fix, Zeitautomatik
  • Filmsimulation: Provia
  • Highlights/Schatten/Schärfen/Klarheit: 0
  • Entrauschung: -2
  • Weißabgleich: auto

Schauen wir uns kurz mal die Blendenreihe an und stellen fest: Das sieht nicht ganz schlecht aus. Allerdings ist der gut benutzbare Bereich deutlich auf die Blendenstufen 5.6 bis 11 beschränkt. Bei Blendenstufen 3.5 und 4 ist eine deutliche Vignettierung festzustellen. Das schockt mich etwas, schließlich ist dieses Objektiv für den Bildkreis des Kleinbildformats gerechnet. Wenn es an einem APS-C-Sensor zum Rand hin einen sichtbaren Helligkeitsabfall gibt, ist das schon ein deutlicher Mangel. Ansonsten ist noch auffällig, wie extrem die Zeichnung und Schärfe bei Blende 16 und 22 nachlassen. Das ist praktisch nicht verwendbar. Ansonsten gibt’s keine besonderen Auffälligkeiten: Für signifikant unscharfe Hintergründe muss man nah ans Motiv heran, was dank kurzer Nacheinstellgrenze von 33cm auch gut gelingt. Als Porträtobjektiv taugt das 30er meiner Meinung nach ganz gut.

  • Pro: Klein, leicht, handlich
  • Pro: Gut zu fokussieren
  • Pro: Praktische Naheinstellgrenze
  • Pro: Gute Schärfe ab Blende 5.6 ohne Härten
  • Pro: Wenig anfällig für Streulicht
  • Pro: hervorragende Mechanik und Robustheit
  • Pro: sehr günstig
  • Unentschieden: Brauchbare Trennung von Vorder- und Hintergrund, allerdings erst bei kurzen Abständen zum Objekt
  • Contra: Zu weich bei Offenblende
  • Contra: Vignettiert bei Blende 3.5-4 deutlich, und das am APS-C-Sensor(!)
  • Contra: Blendenstufen 16 und 22 praktisch nicht nutzbar

Kurz gesagt, ich mag dieses Objektiv. Die Kontraste und Farben sind gut, es lässt sich leicht und schnell fokussieren. Die Galerie mit Beispielbildern ist trotzdem etwas karg. Und das liegt schlichtweg daran, dass ich das Fujinon XF35/1.4 habe. Es ist mein Alltagsobjektiv, meine Allzweckwaffe im Standard-Bereich, dessen kleine Schwächen ich doch so liebe. Aber für’s kreative Fotografieren ist das Lydith eine klare Empfehlung, weswegen ich in nächster Zeit bewusst mehr damit machen werde.

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Fotografie, kunst, Medien, vintage

echtes Vintage

Filmrezepte sind gut und schön. Auch meine alten Exakta- und diverse M42-Objektive bringen mir richtig Spaß (dazu gibt’s hier demnächst übrigens einen längeren Artikel). Aber was ich mit meiner X-Pro, alten Linsen und etwas Spielerei in Capture One so anstelle ist doch nur ein müder Abklatsch all der Sinnlichkeit, die Fotografieren einmal umfasste: Wer kennt es noch, das rauhe Geräusch vom Schraubgewinde einer Bakelit-Entwicklerdose? Wer kennt noch das Gefühl, wenn auch nach dem zehnten Durchsehen kopfüber stehende Dias auftauchen? Oder den Geruch von Ozon, der sich nach einem längeren Dia-Abend im Raum breitmacht?

Ich vermisse das alles so sehr… Wer noch?

Bee 2021, X-Pro3 Helios 44M-7

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Fotografie, kunst, vintage

Springworks 3

myrobalane, 2021, X-Pro3 Helios 44M-7

Kodachrome II and vintage lenses make good friends, don’t you think? I got my first Helios 44 about two weeks ago and since then I had so much fun. It’s not a lens for every situation, that’s what I have learnt now. But from time to time a little portion of dreaminess does a lot for the subject.

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Fotografie, kunst, vintage

Springworks 1

patience , 2021, X-Pro3 Zeiss Tessar 2.8/50mm

I’m longing for spring to begin. In the meantime I seek inspiration through some old glass. Actually this is my beginner’s lens. I got it as a gift when I was twelve years old, and it came with my first real camera, an EXA 1A that once belonged to my grandfather. This lens is a Carl Zeiss Tessar 2.8/50mm clad in a fancy zebra-finish. See an example here. It’s pretty prone to stray light. Focus and contrast are hard to control too. But over all it’s character is really nice…

In the next weeks I will try some more vintage lenses, so stay tuned.

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