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Neue Kleider

Nach zwei Reparaturen und sechs Jahren intensiver Benutzung hat die Belederung meiner X-Pro 1 doch etwas gelitten. Das schwarze Kunstleder, das Fuji hier eingesetzt hat, ist über jeden Zweifel erhaben. Aber 3 Skandinavien-Reisen, unzählige verschwitzte Bergtouren… Die Ecken haben begonnen, sich aufzuwellen, da machste nix mehr…

Ich sinne also über eine Erneuerung nach, und bei dem Gedanken kommt auch die Frage, ob ich den Look meiner alten Kamera nicht gleich komplett ändern möchte: Kameras im klassischen Messsucher-Design sind zwar an sich schon ein Statement. Doch richtig individuell sind sie auch nicht, solange der Markt mir lediglich die Wahl zwischen Schwarz, Anthrazit und Silber lässt. Will man was Gewagteres, greift man zur Sonder-Edition von Leica, klar. Bin ich nicht in der Zielgruppe – das ist Pech . Trotzdem steht meine Entscheidung: Ich will eine neue Farbe, was Individuelles, als Geschenk an die Kamera für langjährige, treue Dienste. Nur wie?

Ganz einfach: Schauen Sie mal bei der japanischen Firma Aki Asahi nach einem passenden Zuschnitt für Ihren Klassiker. Herr Nakamura hat in seinem kleinen Shop so einige Überraschungen parat. Fast alle beliebten Retro-Kameras lassen sich mit seiner Hilfe, maßgeschneidert neu einkleiden. 26$ kostet der Spaß – kann man mal machen. Ich bestelle eine beige-farbenes Leder im Eidechsen-Look und warte auf Post.

Post aus Japan, wie aufregend. Der Brief hat gerade mal vier Tage gebraucht.

Der Rest ist mit etwas handwerklichem Geschick für jeden Mutigen zu machen. Pulen Sie das Gummi vom Handgriff, dann sehen Sie: Sie benötigen einen kleinen Schraubendreher für den Handgriff. Später dann einen Holz- oder Kunststoffspatel zum Ablösen der alten Belederung und ggf. etwas Waschbenzin zum Entfernen hartnäckiger Kleberreste. Diese ersten Schritte fühlten sich nicht so toll an. Mache ich hier ohne Note etwas kaputt?

Beim „Anziehen“ helfen ein Schälchen Wasser (damit lässt sich die Klebefläche auch nachträglich noch etwas justieren), eine Vergrößerungsbrille und ne ruhige Hand. Vor allem an den Kanten und um die Schalter kann der Holzspachtel beim Andrücken sehr helfen. Der Handgriff kommt in meiner Variante nicht mehr dran – ich will es „clean“.

Die Passgenauigkeit ist extrem hoch. Aber Vorsicht: Das von mir geordete „Beige Lizard“-Material ist dicker als die originale Belederung – jeder zehntel Millimeter, den man beim Ausrichten daneben liegt führt an anderer Stelle zu Kanten, die sich nicht sauber anlegen sondern etwas „aufstehen“ Am ersten Abend hat es mich noch geärgert – mittlerweile kann ich drüber hinweg sehen. Für 26$ ist die Übung bei Nichtgefallen jederzeit zu wiederholen. Was spricht denn dagegen, jedes Jahr ein neues Kleid anzuschaffen? Wie wäre es denn mit Pink?

Ach ja: Ich hab das Ergebnis in Bildern dokumentiert.

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Prinzipiell richtig…

„Kameras sind nur Werkzeuge“ – in dieser oder ähnlicher Form wurde die Weisheit schon übers Land gebracht. Ja, im Prinzip.

Ich möchte dieser Ansicht gern insofern recht geben, dass man selbst mit der teuersten Kamera nichts Brauchbares zustandebringt solange man nicht wirklich „sieht“. Und sehen geht über das Hinschauen hinaus – es ist die ästhetische Abwägung zwischen dem was physikalisch da ist und dem was der kreative Umgang mit den Werkzeugen entstehen lässt. Wenn ich nach einer Analogie suchen soll, fällt mir als erstes das Bild einer Holzbildhauerin ein – da hat jemand ein Stück Holz, in dem sie etwas sieht. Andere sehen es nicht, doch für die kreative Persönlichkeit verbirgt sich im Holzklotz etwas anderes, das von ihr entdeckt und nun herausgerarbeitet werden will. Und dann gibt es Werkzeuge, mit denen die Schaffende dieses Herausarbeiten ganz handwerklich umsetzen kann. Mit der Arbeit verändert sich der Gegenstand – der physische wie der imaginäre und wird Kunst. Soweit reicht die Analogie.

Beim Fotografieren sieht man die Welt bereits in grober Form durch einen kreativen Filter: Ausschnitt, Bildwinkel, Perspektive, Schärfentiefe. Noch heftiger in der spiegellosen digitalen Fotografie, denn hier ist im Moment der Motivsuche schon alles einstellbar: Sättigung, Kontrast, Tonwerte, Schärfe, Weißabgleich. Einstellbar oder vorgegeben? Die Kamera bietet mir eine ästhetische Interpretation des Bildes an. Und je nachdem wie gut ich mich von dem, was mir die Kamera anbietet, emanzipieren kann, ist das ein Hindernis oder sogar förderlich.

Die moderne Kamera ist nämlich mehr als ein Werkzeug – sie schränkt meine kreative Anstrengung ein und gibt mir „Looks“. Und so zwingt sie mich, selbstbewusst einen eigenen kreativen Standpunkt einzunehmen. Ich finde beides als ok und empfinde beides als gleichermaßen schwierig.

Ein gutes Hilfsmittel für den Fuji-X-Fotografen, der sich in der Aufnahmesituation nicht beeinflussen lassen und trotzdem die Möglichkeiten seiner Kamera nutzen möchte, ist übrigens „Fujifilm X RAW Studio“. Hier kann ich die meisten Settings der Bildgestaltung ganz genau so, wie ich sie in der Kamera vorgefunden hätte, per Software und am großen, kalibrierten Bildschirm nachstellen und dann vom Prozessor der angeschlossenen Kamera errechnen lassen. Spätestens seit ich die großartigen Filmsimultations-Rezepte von Ritchie Roesch kenne, ist das eine nie versiegende Quelle von Spielerei.

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Zollenspieker, Fuji X-T3, Fujnon XF 18/2.0, „Monochrome Kodachrome“

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Zollenspieker, Fuji X-T3, Fujnon XF 18/2.0, „Dramatic Monochrome“

In dieser Woche stelle ich ein Motiv in der Nähe des Zollenspiekers vor. Eine RAW-Datei, zwei Ergebnisse (SOOC-JPEGs). Die Aufnahme habe ich ganz bewusst mit weichen Kontrasten (Filmsimulation „Eterna“, Lichter -2, Schatten -1, DR 400, kein Korn) gemacht und zu Hause mit X RAW Studio „aufgebrezelt“. Genauere Informationen (und exzellente Beispiele) zu den Filmsimulatationen finden Sie bei Fuji X Weekly (Monochrome Kodachrome und Dramatic Monochrome).

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