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Wie kaufe ich eine Stereoanlage für 3000€ – Teil 2

 Empfehlungen zur Stereoanlage, Teil 2: Händler und Probehören

1. Vorbereitung und Einstieg

Du solltest auf jeden Fall mehrere Termine bei verschiedenen Händlern wahrnehmen.

HiFi-Händler haben außerdem immer nur einen Ausschnitt aus dem Markt im Angebot, kommt darauf an, mit welchen Vertrieben sie zusammenarbeiten. Wenn Du also einen Lautsprecher von Triangle mit einem von DALI vergleichen möchtest, kann es sein, dass Du in Deiner Stadt keinen Händler findest, der beide im Angebot hat. Die Einschränkung hat aber auch was für sich: Ein kleineres Portfolio spricht eher dafür, dass der Händler nach Überzeugung entscheidet und seine Produkte wirklich kennt, schätzt und einschätzen kann.

Schildere, was Du suchst und lass Dich mal darauf ein, und höre auf dein Bauchgefühl. Hat man Dich ernstgenommen? Hat man Dir zugehört?

Ein guter Händler fragt, was Du für einen Raum beschallen möchtest und ob Du schon was Bestimmtes im Auge hast. Und ja, er fragt auch, wie viel Geld Du ausgeben möchtest. Das ist notwendig.

Erst Idee zur Investition: 1000€ für die Elektronik, bis 1800€ für die Lautsprecher, 150€ für Kabel. Wenn man Dir dafür nichts anbieten kann/möchte, geh wieder.

Wenn man Dir Zubehör für mehr als 10% der Gesamtsumme verkaufen möchte, lehne ab.

Wenn man Dir Steckerleisten und Stromkabel anbietet, lehne ab.

Wenn man Dir Produkte anbietet, die Du nicht verstehst, lass Sie Dir vorführen.

2. Hören

Unser akustisches Gedächtnis ist tückisch, von einer Hörerfahrung zur nächsten reduziert sich unsere Erinnerung auf wenige Kernpunkte, überhöht diese und determiniert damit die nächste Hörerfahrung. Notizen machen kann helfen. Ansonsten hilft es nur, nach Modell A, B und C nochmal A anzuhören. Überraschung garantiert.

Sieh Dir den Vorführ-Raum des Händlers mal genauer an: Ist das größentechnisch und akustisch überhaupt mit Deinem Wohnzimmer überhaupt vergleichbar? Wenn nicht, kannst Du Deinen Favoriten auch zu Hause testen?

Nimm eigene CDs mit, die Du gut kennst: Große Besetzung, kleine Besetzung, menschliche Stimme, etwas mit viel Dynamik, etwas mit klaren Rauminformationen, etwas mit vielen Details und auch etwas mit extremem Bass.

Nimm Dir Zeit. Du gibst vielleicht ein paar Tausend Euro aus. Glaube mir – nachher zu Hause zu sitzen und der Zweifel kriecht in Dir hoch – das ist das Gegenteil des Gefühls, das Du gesucht hast.

3. Reden und Zuhören

Sei kritisch – hörst Du wirlich oder meinst Du hören zu können, was Dir der Verkäufer suggeriert. Das ist ein schwieriges Umfeld: Wenn der Fachhändler die Aufnahme kennt und dazu die Stärken wie Schwächen seiner Produkte, dann weist er natürlich gezielt auf einzelne Aspekte hin. Das ist alles in Ordnung, so lange es um Hörerfahrungen geht.

Es gibt Händler, Die Ihre Kunden einfach mal für ne halbe Stunde allein lassen. Sie beeinflussen in dieser Zeit mal gar nicht. Das ist großartig und viel zu selten.

Die Lebensgeschichte und die Überzeugungen der Entwickler, die Philosophie von Anbietern, die vermeintliche Exklusivität, technische Eigenständigkeit oder auch die besonders ausgeprägte Fertigungstiefe von Herstellern sind nette Geschichten, sie sind Verkaufsmasche – noch lange kein Klang. Natürlich macht es Spaß sich mit Insidern über Genies und ihre Schöpfungen auszutauschen. Superseltene Röhren, abgefahrene Schaltungskniffe und Bedienkonzepte, die auf den ersten Blick total schräg wirken, teure Materialien, am besten aus der Raumfahrt, aufwendige Verarbeitung, das kann alles sehr unterhaltsam sein und helfen, sich mit einem Produkt anzufreunden. Diese Vortragsart kann aber auch manipulativ eingesetzt werden. Schließlich möchte der Proband – sorry  – der Kunde nicht so gern zugeben, dass er die rhodinierten WBT-Buchsen allein im Hörtest nicht von Gold und Kupfer unterscheiden könnte. Sie sind halt am doppelt so teuren Lautsprecher dran und damit Teil seiner „Geschichte“.

4. Fazit

Wenn Sie nun nach dem Lesen denken, HiFi-Händler seien schlimme, manipulative Verticker, die einem nur die Argumentationsketten der Vertriebe vorbeten, dann ist das natürlich ein falscher Eindruck. Die allermeisten sind fachkundig, haben Überzeugungen und wollen, dass die Leute zu Hause besser Musik hören. Das kann gar nichts Schlechtes sein.

Sie betreiben ein Gewerbe, von dem es im Gegensatz zu Drogerien nicht an jeder Ecke ein Ladengeschäft gibt. Der Wirkungskreis ist also groß. Sie verkaufen Produkte, deren Preisgestaltung sich oft erst beim genauen Hinsehen erschließt. Und sie haben in der Regel viele Jahre Erfahrung, so dass auch die eigenen Ansprüche recht hoch sind. In der Konsequenz und bezogen auf Informationsaustausch im Internet bedeutet das, dass viele Menschen zu den wenigen Händlern eine Meinung haben. Es bedeutet auch, dass man nicht jedem Menschen vermitteln kann, wozu es Vollverstärker für 10.000 Euro gibt. Und letztlich führt das dazu, dass im Netz viele Händler als arrogant, überheblich, abgehoben oder anmaßend beschrieben werden. Das ist oft genug ein Missverständnis, dem man nur beikommt, wenn man einfach mal hingeht und sich beraten lässt.

 

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Wie kaufe ich eine Stereoanlage für 3000€

Ein Freund fragte mich neulich um Rat: Eine neue Steroanlage sollte her. Ganz klassisch mit CD-Player, Verstärker und Lautsprechern. Der gute Mann hat einen äußerst vielfältigen Musikgeschmack von spätromantischer Sinfonik über Jazz bis Metal. Das spricht für eine Allround-Abstimmung mit besonderem Sinn für Dynamik.  Da auch die Wohnumgebung guter moderner Durchschnitt ist, bot es sich an, den abgelieferten Ratschlag zum „Guide“ auszuweiten. Für alle zur Diskussion, für Widerworte, Zustimmung, Befolgung oder Umorientierung.

Empfehlungen zur Stereoanlage, Teil 1: Grundsätzliche Erwägungen

Nachdem ich zahllose Tests gelesen und Hörberichte studiert habe, speichere ich mal aus, was ich so gefunden habe. Natürlich ist das alles subjektiv gefärbt: die meisten Produkte, über die ich gleich schreibe, habe ich schon gehört, zumindest habe ich Messe-Erfahrungen mit den Herstellern. Das mag manchmal ungerecht sein, angesichts der enormen Vielfalt und Unübersichtlichkeit im Markt sind solche Pauschalurteile über den ein oder anderen Anbieter aber ganz nützlich. So wird es von mir an dieser Stelle keine Empfehlung zu Lautsprechern von Magnat, Tannoy, KEF oder Epos hören. Ich habe von allen mal Produkte hören dürfen, die so abschreckend waren, dass ich sie für weitere Hörproben nicht mehr in Erwägung ziehen würde – schade um die Zeit.

Um dem ganzen etwas Systematik zu geben, stelle ich in diesem ersten Teil grundsätzliche Möglichkeiten vor:

1. „Klassische“ Stereoanlage mit CD-Player, Vollverstärker und passiver Lausprecher

Wenn man Herstellern und der Presse glaubt, ist das das Auslaufmodel der HiFi-Geschichte. Im Augenblick dominieren Vinyl, Streaming und „intelligente“ Konzepte mit App-Bedienung. Überzeugend vor allem die Möglichkeit in optimaler Qualität über USB z.B. vom PC abzuspielen. Das ist für HiFi eine schöne neuen Welt, hinsichtlich Beratung aber eine ganz andere Spielwiese mit ganz neuen Problemen. Dazu werde ich hier nichts weiter schreiben. Ich selbst habe keinen CD-Player mehr und höre vom Streaming-Server, weiß aber auch, welche Schwierigkeiten das mit sich bringen kann und wie viel Zeit man verbrät um diese zu lösen.
Nein, es ist gut, wenn man erstmal bei der CD bleiben möchte. Und zum Glück gibt es in der „klassischen“ Stereo-Geräte-Kombination immer noch die größte Auswahl.

Vorteile

  • bewährte Technik
  • große Auswahl am Markt
  • keine Computerprobleme
  • alle Komponenten austauschbar
  • Tuning-Möglichkeit mit Kabeln
  • gute Erweiterbarkeit durch Anschlüsse am Vollverstärker
  • wachsende Zahl von Playern mit Digital-Inputs

Nachteile

  • Tuning-Möglichkeit mit Kabeln 😉
  • große Auswahl am Markt
  • Raumakustik nur passiv oder durch Aufstellung oder Tausch der Lautsprecher beeinflussbar
  • „echte“ CD-Laufwerke z.B. von Stream unlimited oder TEAC sind richtig teuer

Der Voodoo-Zirkus um die CD (90er Jahre) wirkt bei manchen Händlern immer noch nach

2. CD-Player mit Vorstufe und Aktiv-Lautsprecher

In „normalen“ passiven Lautsprechern befindet sich ein mehr oder weniger komplexes Bauteil, die Frequenzweiche. Sie erhält die Signale vom Verstärker und teilt sie je nach Frequenzbereich auf Hoch-, Mittel- und Tieftöner auf (Wege oder Zweige). So erhält jedes Lautsprecherchassis die Teile des Musiksignals, die es unter den physikalischen Rahmenbedingungen seinerselbst und des Gehäuses am besten wiedergeben kann. So macht man das seit 100 Jahren. Es gibt in der Hinsicht viel Erfahrung, es gibt auch mindestens so viele Philosphien wie Entwickler. End es gibt die Erkenntnis, dass es nicht sonderlich effizient und auf keinen Fall sehr flexibel ist, die Abstimmung hinter der Leistungsverstärkung unveränderlich in den Lautsprecher einzubauen

Aktive Lautsprecher teilen die Frequenzen vor der Verstärkung auf. Jeder Lautsprecherzweig hat danach seinen eigenen Verstärker, der in einem beschränkten Frequenzbereich optimal für „sein“ Lautsprecherchassis arbeitet. Diese Verstärker sind oft in den Lautsprecher eingebaut. Netter Nebeneffekt: Es steht weniger Zeug in der Wohnung herum. Das Konzept an sich hat ein paar Vor- und auch ein paar wenige Nachteile. In den letzten Jahren machen aktive Konzepte eine ziemlich gute Entwicklung, indem die Hersteller den Lautsprecher an sich zur digitalen Schaltzentrale aufbohren. So haben z.B. die XEO-Modelle von Dynaudio eine kabelllose Anschlussmöglichkeit, eine eigene Lautstärkeregelung und Digitaleingänge.

Vorteile

  • Einstellmöglichkeiten am Lautsprecher
  • Anpassung der Frequenzbereiche an den persönlichen Geschmack
  • Anpassung an sich ändernde oder schwierige Räume
  • keine klangliche Beeinflussung durch Lautsprecherkabel
  • kein separater Verstärker notwendig
  • bestes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • immer mehr Produkte mit digitalen Anschlüssen, Lautstärkeregelung, Fernbedienung und Drahtlos-Option
  • wenn digitale Eingänge vorhanden sind, kann man beim CD-Player außerdem viel Geld sparen

Nachteile

  • Durch integrierte Elektronik etwas teurer
  • Lautsprecher brauchen einen Stromanschluss
  • Ohne fernbedienbare Lautstärkeregelung braucht man einen Vorverstärker
  • keine Spielwiese mehr für Lautsprecherkabel
  • weniger Auswahl am Markt

Zuletzt noch ein Nachteil, den ich nicht verschweigen will: Es gab und gibt bei aktiv/passiv eine Lagerbildung, auch unter den HiFi-Händlern. Aktiv-Lautsprecher erfordern eingehende Beschäftigung und Erfahrung, bieten aber weniger Spielraum für Zusatzverkäufe. Das führt dazu, dass einige Händler das Theam immer noch etwas stiefmütterlich behandeln und auch oft wenig Ahnung haben. Die kleinere Auswahl am Markt kann außerdem zurfolge haben, dass die verdutzte Interessentin erst ein Modell für 1500€ und gleich danach eines für 50.000€ vorgestellt bekommt – ganz einfach, weil der Händler dazwischen nichts anbieten kann.
Trotz all des Gesagten lohnt sich die Beschäftigung mit Aktiv-Lautsprechern unbedingt. Ich selbst sehe es pragmatisch und habe sowohl ein aktives als auch ein passives Konzept bei mir stehen 🙂

3. All in One

Ja, es gibt sie noch, die integrierten Lösungen mit CD-Player, Vorstufe und Leitungsverstärker in einem. Ich meine damit nicht etwa die Kompaktanlage vom Tchibo sondern eher so etwas hier https://www.naimaudio.com/de/product/naimuniti-2

Das ist ein Beispiel für eine hochwertige Lösung, die allerdings auch 5000€ kostet. Keine Sorge, das geht auch günstiger, so ab 600€ geht es los. Diese Gerätegattung verkauft sich zur Zeit wie verrückt. Die Leute wollen keine Kabel und keine Gerätetürme sondern Spotify über WLAN hören, Musik vom Handy über Bluetooth abspielen und das ganze vom Tablet oder Handy aus steuern. Daneben sollen bei der Klangqualität keine Abstriche gemacht werden. Braucht noch ein paar patente Lautsprecher und -Kabel, fertig!

Vorteile

  • Aufgeräumtes Wohnzimmer
  • integrierte Komponenten sind aufeinander abgestimmt
  • schickes Design
  • wenige Kabel
  • in der Regel zukunftssicher durch Streaming-Optionen oder digitale Eingänge
  • Alles wird über eine App gesteuert
  • ziemlich Voodoo-freie Zone

Nachteile

  • Wenn es gut klingen soll, wird’s richtig teuer
  • Geräte mit Upgrade-Möglichkeiten sind ebenfalls sehr teuer
  • Abhängigkeit von den Software-Updates der Hersteller

Soviel zu den grundlegenden Konzepten. Weiter geht es im nächsten Beitrag mit dem Unterfangen einen Händler des Vertrauens zu finden und Hörtermine wahrzunehmen.

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