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Neue Röhren – für und wider

Worum geht es hier: Es geht um eine tatsächliche Neuerfindung im Bereich der guten alten Elektronenröhre, was die Enthusiasten drüber denken, was die DIY-Szene damit macht und letztlich auch, was „der Markt“ mit solcherlei Exotenkram anstellt.

The Korg Nutube

Image by Pete Millett

Der Anfang war wohl am 22.91.2015, als Korg und Noritake, der eine versierter Vordenker und Hersteller von Synthies, Studiozubehör, E-Pianos und Effektgeräten, der andere nicht weniger versierter Hersteller von TFTs und von Vakuum-Fluoreszenz-Displays, bekanntgaben, dass Sie ein neues revolutionäres Produkt ersonnen hätten: Die KORG Nutube, eine Elektonenröhre für Korgs Effekgeräte auf Basis der VFD-Technologie von Noritake. Die Ähnlichkeit der Grundprinzipien liegt auf der Hand: Eine direkt geheizte Kathode emittiert Elektronen durch ein Vakuum auf eine positiv geladene Anode, die mit Phosphor behandelt ist. Diese leuchtet. Ein elektrisch geladenes Gitter regelt die Helligkeit. Soweit ist das von der guten alten Triode nicht entfernt.

Die Selbstbauer bei DIYAudio.com entdeckten die Neuigkeit dann 8 Tage später. Und schon entspannen sich zahlreiche Beiträge über das prinzipielle Für und Wider. Da gab es jene, die angesichts der riesigen Restbestände an billigen Kleinspannung-Röhren (z.B. für Hörgeräte und Autoradios) den Sinn anzweifelten, und solche, die sich fragten, was von der Zukunftssicherheit zu halten sei, wenn man Schaltungen entwickle, deren verstärkender Hauptbestandteil nur von einem Hersteller möglicherweise“ als Testballon“ zur Verfügung gestellt werde. Und es gab jene, die VFDs aus Videorecordern und Autoradios schon testweise in Vorstufen verwendet hatten und Schlimmes berichteten: Die Dinger klingen überhaupt nicht. Kunststück – Sie wurden nie dafür gebaut!

Mich ließ das etwas ratlos zurück: Da ist die Elite der Selbstbauer. Für mich sind das die Leute, die das ingenieurmäßige „Sieht interessant aus, da mach ich was draus!“ täglich leben. Und diese Leute reden einen innovativen technischen Ansatz erstmal klein?

The NuHybrid PCB (Image by Pete Millett)

Zum Glück ist es dabei nicht geblieben: Im Jahre 2017 kamen die ersten Vorschläge, die man ernst nehmen konnte. Und einen davon werde ich bauen und davon an dieser Stelle berichten: Pete Millett ist ein Urgestein. Sein Hybrid-Kopfhörerverstärker erfreut sich seit 2002 großer Beliebtheit, ist hundertfach nachgebaut und eifrig optimiert worden. Seit 2016 macht sich Millett für die Nutube stark. Er hat erreicht, dass Korg überhaupt kleinere Stückzahlen an OEMs ausliefert.

Seit März 2017 gibt es von ihm den NuHybrid und einen Röhrenbuffer auf Nutube-Basis.

Millett NuHybrid Headphone Amp (Image by Pete Millett)

Den NuHybrid finde ich hochinteressant. Wenn die Röhre auch nicht billig ist (ca. 50€), so gibt Millett die professionell gearbeitete Platine für den Kopfhörerverstärker doch kostenlos dazu. Eine andere Beschaffungsmöglichkeit für die Nutube kenne ich derzeit sowieso nicht. Besonders schön: Milletts Projekte sind sehr gut dokumentiert mit Aufbauanleitung, aktiver Fehlerbereinigung im Forum bei Head-Fi und einer vollständigen Einkaufsliste bei Mouser(!). Das ist schon Service der besonderen Art.

Threads lesen, Detailentscheidungen treffen und bestellen sind Dinge, die bei mir immer etwas dauern, aber seit gestern Abend sind alle Teile, die ich nicht noch rumfliegen hatte, geordert. In ein paar Wochen geht es los, dann kommen auch selbstgemachte Fotos…

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